Wer geht nicht gerne am Strand spazieren oder genießt im Sommer ein erfrischendes Bad im Meer? Viele Menschen zieht es an die Küsten der Meere. Aber nicht nur touristisch ist das Meer eine Attraktion, auch die Wirtschaft hat ein großes Interesse an ihm und nutzt seit je her die marinen Ressourcen. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Meeresumwelt:
Die industrielle Fischerei sorgt mit destruktiven Fangmethoden, wie z.B. Grundschleppnetzen, und zu hohen Fangquoten für zerstörte Lebensräume und Bestandsrückgänge. Nach Angaben der EU sind über 88 % der europäischen Bestände überfischt. 30 % befinden sich außerhalb sicherer biologischer Grenzen und viele Experten sind der Ansicht, dass „Peak Fish“ schon lange überschritten wurde. So hat der Dorschbestand in der östlichen Ostsee einen dramatischen Rückgang erlebt und in den letzten Jahren ein Rekordtief erreicht. Dank eines konsequenten Managements in der östlichen Ostsee erholt sich die Dorschpopulation langsam.
Gleichzeitig stört der Mensch die empfindlichen Gleichgewichte im Meer erheblich durch den Eintrag von Nährstoffen. Über Flüsse und die Luft eingeleitet, verursachen sie starke Algenblüten und begünstigen die Entstehung sauerstoffarmer Zonen im Meer.
Parallel werden die Ozeane mit immer mehr Umweltgiften belastet. Auch wenn die Verklappung von industriellen Abfällen inzwischen verboten ist, haben sich die schwer abbaubaren Schadstoffe über Jahrzehnte in der Meeresumwelt angesammelt. Auch Schiffsanstriche belasten mit ihrer Bewuchs hemmenden Wirkung das Wasser. Und auch Munition, die nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem in der Ostsee versenkt wurde, stellt noch auf viele Jahre eine Bedrohung für die Natur dar.
Aber nicht nur der direkte Eintrag von Chemikalien vergiftet die Meere. Auch aus dem Müll, dem inzwischen überall im Meer treibt, gelangen Schadstoffe ins Wasser. Riesige maritime Müllstrudel von der Größe Mitteleuropas geben ein Zeugnis von unserer Wegwerfgesellschaft ab.
Auch der Tourismus hinterlässt seine Spuren. Hotels mit Blick aufs Meer, so dicht wie möglich in die Dünenlandschaft gebaut, benötigen immer mehr Raum. Zigarettenkippen, Plastikbecher- und Flaschen bleiben am Strand zurück, wenn nicht fleißige Wesen den Müll wieder einsammeln. Der Wassermotorsport verursacht Lärmbelästigungen für Mensch und Meeressäuger und verlangt nach dem Bau von Häfen. Viele Menschen, die sich am Strand in der Sonne aalen und das leise Rauschen des Meeres genießen wollen, beeinflussen auf Dauer ganze Küstenabschnitte. Den Urlaub attraktiv und dabei so naturverträglich wie möglich zu gestalten, das ist das Gebot der Stunde, für die Tourismusbranche wie für jeden einzelnen von uns.
Steigender Schiffsverkehr vermehrt die eigentlich verbotenen Müllverklappungen auf See, erhöht das Risiko einer Havarie oder Schiffskollision und erzeugt, ebenso wie die Fahrzeuge an Land, schädliche Emissionen. Hafenausbau und Vertiefungen der Fahrwässer beanspruchen zunehmend Platz.
Auch die wachsende Rohstoffgewinnung setzen Nord- und Ostsee zu: Sand- und Kiesabbau mit Saugbaggern zerstört ganze Unterwasserlebensräume, die sich wenn überhaupt erst nach vielen Jahren wieder erholen. Der Bau von Gaspipelines vernichtet ebenfalls wertvolle Habitate, Ölbohrtürme und -tanker gefährden riesige Meeresgebiete durch jederzeit drohende Ölkatastrophen.
Weitere Baumaßnahmen wie die geplante Fehmarn-Belt-Querung führen zu immenser Lärmbelästigung, Habitatvernichtung und unvorhersehbaren ökologischen Konsequenzen.
Mit dem Anstieg der Weltbevölkerung und zunehmender Industrialisierung nimmt auch die Ausbeutung der Meere weiter zu, die sich heute schon in katastrophalen Zuständen äußert. Zwar ist die Gefahr der Lebensraumzerstörung und Vernichtung unserer Ressourcen teilweise erkannt, jedoch reichen die bisher eingeleiteten Maßnahmen bei weitem nicht aus.
Der Ozean, und besonders unsere stark genutzten heimischen Gewässer, die Nord- und Ostsee, benötigen daher dringend Schutz und einen nachhaltigen Umgang, wenn wir auch in Zukunft von dem reichen Angebot der Meere profitieren wollen.