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Nisthilfenbau
Nisthilfenbau ist kinderleicht! Fotos: W. Lenschow

Bauanleitungen für einfache Nisthilfen

Mit einfachen Nisthilfen kann jeder seinen Garten oder Balkon zu einem interessanten Nistplatz für Wildbienen machen Die Nisthilfen werden am besten an einer sonnigen, geschützten Stelle im Garten aufgestellt. Am besten eignet sich da die Süd- oder Südwestseite des Hauses oder der Gartenlaube.

Eine Frage die immer wieder gestellt wird:

Muss ich die Niströhren im nächsten Jahr reinigen, damit sie wieder neu besiedelt werden? Die Antwort ist ein klares Nein! Wildbienen nehmen gerne Niströhren an, in denen andere vorher gebrütet haben. Aus diesen Röhren werden alle störenden Hinterlassenschaften der Vormieter ausgeräumt.

Bündel aus Stängeln, Bambus, Reet
Einfach gebündelt!

Hohle oder markhaltige Stängel als Bündel

Die einfachsten Nisthilfen lassen sich aus hohlen und markhaltigen Stängeln fertigen. Einige Wildbienenarten, wie die Mauerbienen, nehmen gerne hohle Stängel an. Andere bevorzugen es, sich in markhaltigen Stängeln, wie die vom Holunder, der Brombeere oder der Stockrose ihre eigenen Behausungen zu nagen. Durch den Aufräumwahn, den viele Mitmenschen in unserer Umwelt ausleben, sind selbst diese einfachen Nistmöglichkeiten Mangelware geworden. Dieser Mangel kann einfach behoben werden: einfach die geeignete Stängel von Reed, Bambus oder den oben genannten Wildpflanzen zu einem Bündel zusammenbinden und an einer sonnigen, geschützten Stelle aufhängen.
Sehr ergiebig für Nistmaterialien sind auch die vielerorts angebotenen „Schredderaktionen“ bei der Schnittmaterial der verschiedenen in Mode gekommenen exotischen Großgrasarten (verschiedene Bambus- und Papyrusarten.) gehäckselt werden. Ein Arm voll Schnittmaterial dieser Exoten vom Nachbarn kann vielen heimischen Wildbienen eine Kinderstube bieten.

Baumscheiben

Bohlöcher in Baumscheibe
Baumscheibe mit unterschiedlichen Bohrlöchern

Eine weitere einfache Methode, um Nisthilfen herzustellen, ist das Bohren von Holzscheiben. Am besten hierfür eignen sich kurze Abschnitte von Harthölzern z.B. Eiche, Buche oder Obstholz. Kiefern- oder Fichtenholz ist wie das Holz anderer Nadelbäume nicht gut geeignet, da die Bohrungen sich häufig mit Harz füllen, und so nicht besiedelbar sind. Die Holzscheiben werden mit allen Bohrern eines gängigen Bohrersatzes von 2mm bis 10 mm bearbeitet. Dabei sollte die ganze Länge des Bohrers ausgenutzt werden.
Weil die Wildbienen ungern Bohrungen mit Rissen annehmen ist es besser, das Holz vor der Bohraktion abtrocknen zu lassen und dann im Abstand zu den Rissen zu bohren.

Pflanzsteine mit Lehmkern

Pflanzstein mit Lehmfüllung
Pflanzstein mit Lehmfüllung

Auch für die Bewohner von lehmigen Abbruchkanten,z.B. die Pelzbiene, kann man mit wenig Aufwand und wenig Platz Nistmöglichkeiten schaffen.
Dazu wird Lehm in geeignete Rahmen eingefüllt. Hier wurde ein Pflanzstein verwendet. Diese Steine sind aus Beton gefertigt und daher sehr stabil. Sie können günstig in verschiedenen Formen und Größe im Baustoffhandel zu bezogen werden. Wichtig bei der Wahl es Füllmaterials ist es, dass der Lehm nicht zu fest wird, damit die Insekten auch darin graben können. Leider habe ich schon viele, mit viel Arbeitsaufwand hergestellte Lehmwände gesehen, die so hart geworden sind, dass die Insekten keine Chance hatten, eigene Gänge in die steinharte Masse zu graben.
Als Faustregel kann man sagen, dass der Lehm richtig ist, wenn man ihn ohne Mühe mit dem Fingernagel ritzen kann. Am Besten geeignet ist Lehm mit einem hohen Anteil von feiner Substanz, sog. Schluff. Das Untermischen von Sand, um den Lehm weicher zu machen, bringt auch nicht den gewünschten Besiedlungserfolg, da sich die harten Sandkörner mit dem Lehm verbinden und die Insekten nicht richtig graben können.

Ein Tipp: wer in seiner Umgebung keinen Lehm findet, der nach dem Aushärten weich genug bleibt und alle die, die einfach nur sichergehen möchten, dass der Lehm geeignet ist, können auch feinen Lehmputz verwenden. Lehmputz wird von vielen alternativen Baustoffhandlungen verkauft. Er lässt sich einfach verarbeiten und wird erfahrungsgemäß von den Stechimmen genutzt, die in Lehmsteilwände selber Röhren graben. Auch Arten, die Lehm lediglich Material zum Verschluss ihrer Niströhren verwenden, nehmen dieses Baumaterial gerne an.

Der Weinstein

Eine gute Möglichkeit, verschiedene Nistmaterialien zu kombinieren, bietet ein Weinstein aus Ton. Die Steine gibt es für wenig Geld im gut sortierten Baumarkt. Bei der Ausgestaltung der Röhren kann man verschiedenste Möglichkeiten ausprobieren. Hier wurde ein Stein mit Lehm und Schilfstängeln befüllt.

Das Bienenhotel

Für alle, die einen etwas größeren Aufwand betreiben wollen, bietet sich der Bau eines „Bienenluxushotels“ an. Hier ist das Modell „Villa Wildbiene“ gezeigt, das der Bund-Aktive Axel Kramer aus Dahme gefertigt hat. Der Rahmen ist aus unbehandeltem, schier unverwüstlichem Lärchenholz gebaut, und die Fächer werden mit verschiedenen Materialien, wie gebohrten Holzscheiben, Schilfstängeln, einem Lehmstein und morschem Holz und Rinde gefüllt. Dadurch ist für jede Insektengruppe, der wir mit künstlichen Nisthilfen helfen können, etwas dabei.
Ein solches Hotel wird von den Wildbienen nicht lieber angenommen als ein einzelner Schilfstängel. Dennoch kann ein optisch ansprechender Repräsentativbau viel für den Bienenschutz bewirken.

verschiedene Nisthilfen
Verschiedene Nisthilfen aus Lehm, Stängeln, Holz

Die Wildbienenwand

Nicht mehr zu den einfachen Nistgelegenheiten zählt die Bienenwand, welche der BUND Neumünster auf dem Gelände der kirchlichen Friedhöfe aufgestellt hat.

In dieser großen, von Wildbienen und verschiedenen solitären Wespenarten gut angenommenen Wand finden wir die oben vorgestellten Nistmöglichkeiten in großer Zahl wieder. Es gibt die Schilfbündel, gebohrte Holzscheiben und den Weinstein mit Lehmkern. Eine Wildbienenwand die optisch so ansprechend ist, hat eine große Außenwirkung und ist an geeigneten Plätzen eine ausgezeichnete Möglichkeit, viele Besucher auf die Lebensweise und die Gefährdung der Wildbienen hinzuweisen .

Dies ist nur eine kurze Darstellung der Nistmöglichkeiten, die man anbieten kann. Im Grunde kann man die verschiedenen Grundelemente wie Lehm, Reet und Holzscheiben je nach persönlichem Geschmack zusammenstellen. Da sollte jeder mal ausprobieren, was gefällt und dann wird die Besiedelung schon zeigen wie attraktiv die Nisthilfe für die Insekten ist.




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