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BUND-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Unkalkulierbare Risiken

Atomanlagen sind die Quelle für eine Vielzahl von Gefahren für Mensch und Umwelt, nicht nur durch Unfälle, sondern gerade auch im sogenannten Normalbetrieb.

Unfälle

Die Atomkraft ist eine hochsensible, nicht beherrschbare Technologie, bei der kleinste Fehler zur großen Katastrophe führen können.

Fallen bei einem Atomreaktor die Kühlung sowie die Notkühlsysteme aus oder wird die Kühlung durch ein Überkritischwerden überlastet, dann kann es zur Kernschmelze kommen. Dabei werden die Brennstäbe im Reaktor entweder durch die Hitze der Kernreaktion oder durch die Nachzerfallswärme (trotz „erfolgreicher“ Abschaltung) so stark erhitzt, dass diese schmelzen. Das Schmelzmaterial kann sich durch den Reaktor fressen und so in Kontakt mit der Umwelt geraten. Dadurch werden große Mengen Radioaktivität frei und radioaktive Elemente über weite Landstriche verteilt. Zusätzliche Gefahr besteht, wenn durch die große freiwerdende Hitze bei einer außer Kontrolle geratenen Kernreaktion, das als Kühlmittel verwendete Wasser zu Wasserstoff umgewandelt wird und sich dann entzündet. So sind gewaltige Explosionen möglich, die Trümmer und radioaktive Teilchen weit verteilen können.  

Bekannte Beispiele für Unfälle bei denen es zur einer Kernschmelze kam

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Three Mile Island, USA

Am 28. März 1979 kam es aufgrund eines Versagens des Kühlsystems zu einer Kernschmelze im amerikanischen AKW Three Mile Island. Zu einer Explosion kam es nicht, da rechtzeitig Druck aus dem Reaktorbehälter abgelassen wurde. Allerdings entwichen dabei radioaktive Elemente in die Umgebung. Fatal ist, dass der Betriebsmannschaft der kritische Zustand des Reaktors lange nicht auffiel und entsprechende Gegenmaßnahmen viel zu spät eingeleitet wurden. 

Tschernobyl, Ukraine

In Tschernobyl kam es am 26. April 1986 aufgrund einer unkontrollierten Kettenreaktion nach Bedienfehlern zu einer schweren Explosion und Kernschmelze des Reaktorkerns. Dabei wurden weite Teil der Ukraine und des nordöstlichen Europas von radioaktivem Niederschlag verseucht. Zur Eindämmung der Folgen setzte die damalige Sowjetunion hunderttausende Aufräumarbeiter, so genannte Liquidatoren, ein. Nach Schätzungen von unabhängigen Organisationen, wie der deutschen Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs, sind bisher bis zu 50.000 Arbeiter an den gesundheitlichen Folgen der Kernschmelze gestorben. Weitere hunderttausende Soldaten und Anwohner wurden verstrahlt und leiden bis heute unter den Spätfolgen. 

Fukushima Daichii, Japan

In Folge eines Erdbebens und eines dadurch ausgelösten Tsunamis kam es am 11. März 2011 in drei Reaktoren des AKW Fukushima Daichii zu einer Kernschmelze. Insgesamt vier der sechs Reaktorblöcke wurden zerstört. Im Umkreis von mehreren Kilometern mussten zehntausende Menschen dauerhaft ihre Häuser verlassen. Die Reaktoren sind bis heute nicht völlig unter Kontrolle und müssen aufwendig gekühlt werden. Dabei fallen große Mengen radioaktiven Wassers an, dessen Entsorgung völlig ungeklärt ist. Immer wieder kommt es durch menschliches Versagen zum Entweichen großer Mengen von Radioaktivität in den Pazifik und die Umgebung des Atomkraftwerks. 

Des Weiteren kam es in mindestens zwölf weiteren Reaktoren weltweit zu vollständigen und teilweisen Kernschmelzen. Häufigste Ursachen waren dabei immer menschliches Versagen und/oder Konstruktionsfehler der Reaktoren. 

Uranabbau

Der Abbau von Uran stellt eine erhebliche Umweltbelastung dar. Insbesondere durch oberirdische Abraumhalden kommt es zu einer weitreichenden Freisetzung von radioaktiven Stoffen und von Schwermetallen, die beim Uranabbau mitgefördert werden, in die Umwelt. Insbesondere das Grundwasser ist häufig betroffen. Auch in Deutschland, vor allem in Thüringen und Sachsen, führen die Hinterlassenschaft des Uranabbaus zu Gesundheitsrisiken für Mensch und Umwelt.

Einer besonderen Belastung, vor allem durch radioaktiven Staub, sind Bergarbeiter vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern ausgesetzt, da dort meistens keine ausreichenden Sicherheitsmaßnahmen vorhanden sind.

Normalbetrieb

Auch im alltäglichen Betrieb geben Atomkraftwerke Strahlung an die Umgebung ab. Studien des Bundesamtes für Strahlenschutz zeigen, dass im Umkreis von AKWs in Deutschland die Leukämierate unter Kindern auffällig erhöht ist. Für das AKW Brokdorf in Schleswig-Holstein kann ein entsprechender Zusammenhang auch bei Erwachsenen nachgewiesen werden.

Kritisch zu betrachten sind dabei die sogenannten „Revisionen“. Dabei handelt es sich um regelmäßig stattfindende Kontrollen des Reaktors, bei denen unter anderem die Brennstäbe ausgetauscht werden. Dazu muss der Reaktordeckel geöffnet werden. Beim AKW Brokdorf führt dies zu einem bis zu 160-fachen Anstieg der Radioaktivität im Umkreis des Kraftwerks. Da aber im Jahresmittel die Grenzwerte nicht überschritten werden, sehen Betreiber und Gesetzgeber hier keinen Grund zum Einschreiten.  

Atomwaffen

Die Technologien zur Erzeugung von Strom durch Atomenergie lassen sich sehr einfach auch zur Produktion von Atomwaffen umrüsten. Insbesondere die Urananreicherung kann sowohl zivilen wie auch militärischen Zwecken dienen. In manchen Reaktortypen fällt als Nebenprodukt der Stromproduktion waffenfähiges Material an. So trägt die Atomtechnologie zur Verbreitung von Material und Know-How zur Herstellung von Atomwaffen bei.  

Erdbeben

Erdbeben spielen in Deutschland scheinbar keine Rolle, aber historisch sind immer wieder Erdbeben in Deutschland belegt und gerade der Rheingraben ist eine seismisch hochaktive Zone . Die im Rheingraben stehenden AKWs Biblis, Philippsburg, Neckarwestheim und Gundremmingen liegen allesamt in erdbebengefährdeten Gebieten und sind nur unzureichend gegen die entsprechenden Gefahren abgesichert. 

Terrorismus

Atomkraftwerke sind nur mangelhaft gegen den gezielten Absturz von Flugzeugen gesichert. So sind AKWs entsprechend den behördlichen Genehmigungen zwar gegen den Absturz kleinerer Maschinen, z. B. eines Düsenjägers, gesichert, aber nicht gegen eine absichtlich herbeigeführte Kollision durch einen modernen Großraumpassagierflieger, wie dem Airbus A380.

Des Weiteren sind die jeweiligen Zwischenlager an den AKWs nur unzureichend gegen terroristische Angriffe vom Boden aus geschützt. Insbesondere durch moderne Panzerwaffen sind diese verletzbar – einer der Gründe weshalb das Oberverwaltungsgericht Schleswig die Genehmigung des Zwischenlagers Brunsbüttel Ende August 2013 für rechtswidrig erklärte.  

Ihr Ansprechpartner

Rainer Guschel

Beisitzer im Vorstand
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