Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

BUND-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Diskurs zur Generationengerechtigkeit

Ein Gespräch zwischen der jungen Hannah Ringeisen, die bei der BUNDjugend aktiv ist, und Kirsten Kock, der Mobilitätsreferentin des BUND Schleswig-Holstein, die schon seit 30 Jahren am Thema dran ist.

Kirsten: Hallo Hannah, herzlichen Glückwunsch zu eurer erfolgreichen Jugend-Klimaprotestbewegung!

Hannah: Hallo Kirsten, vielen Dank, ich nehme das Kompliment jetzt einmal stellvertretend für meine Generation an. Danke auch an dich, für dein jahrzehntelanges Engagement! Ich bin froh, dass wir es schaffen, dass das Thema Klimaschutz endlich diskutiert wird. Wird langsam Zeit! Das Thema ist wirklich nicht neu! Schon 1987 im Brundtland-Bericht wurde die Diskussion aufgegriffen.

Kirsten: Stimmt, das Wissen ist schon älter. 1980 standen bei mir in der Schule die menschengemachten Treibhausgase auf dem Lehrplan. Gefühlt ist seitdem fast nichts passiert.

Hannah: Das Gefühl habe ich auch. Gerade deswegen konnte die internationale Jugendbewegung so erfolgreich werden: Wir sind frustriert. Die Ziele der Bundesregierung für 2020 werden verfehlt.

Kirsten: Auch SH als angeblicher Energievorreiter erreicht seine Ziele 2020 nicht.

Hannah: Es ist doch schon seit mehr als drei Jahrzehnten klar, was passiert. Für uns Jüngere ist wirklich unverständlich, wie die Zustände immer noch so schlecht sein können. Was läuft da schief?

Kirsten: Die Politik hat zu Beginn der Energiewende nur versucht, positive Anreize zu schaffen, hat aber den fossilen Ausstieg verzögert, unter anderem auch, um eine große Lobby nicht vor den Kopf zu stoßen. Beispielweise wurde in SH die Windkraft massiv ausgebaut, auf Bundesebene das EEG. Gleichzeitig wurde aber versäumt, ganz konkret aus der Kohleverstromung auszusteigen. Die großen Energieunternehmen hatten erst recht kein Interesse auszusteigen. Sie sind erst sehr spät und nur auf öffentlichen Druck in das Thema Erneuerbare eingestiegen.

Hannah: Dann müssen wir jetzt aufwachen und selbst handeln. Das ist für den Einzelnen oft nicht einfach: lange Wartezeiten an Ampeln, kaputte Radwege, hohe Preise im ÖPNV.

Kirsten: Ja, das ist kein Wunder. Es wurde jahrzehntelang nur in die Optimierung des Autoverkehrs investiert. Der Umweltverbund, also der ÖV und der Fuß- und Radverkehr, genießt noch keinen Vorrang, weder bei Planung, Finanzierung oder beim Personal. Man möchte den Autofahrer*innen nicht wehtun.

Hannah: Also ab jetzt nicht nur das Zuckerbrot, sondern auch die Peitsche! Da ist jede*r aufgerufen, mit auf die Straße zu gehen. Bisher umfasst der Generationenvertrag nur die finanziellen Aspekte unserer Gesellschaft. Die natürlichen Ressourcen werden außen vorgelassen. Dabei sind das die Grundlagen für ein gutes Leben. Wir Bürger*innen haben ein Recht auf saubere Atemluft und auf trinkbares Wasser. Und wir haben ein Recht auf ein intaktes Klima. Zurzeit entscheiden Menschen, die einen größeren Teil ihres Lebens schon hinter sich haben, über die Zukunft von Menschen, die den größten Teil noch vor sich haben.  Und diese Entscheidungen zerstören unsere Zukunft.

Kirsten: Lokal wurde allerdings von unserer Generation auch schon Einiges angestoßen und erreicht. 1987 wurde von der Kieler Politik das Fahrradforum gegründet. Seitdem erarbeitet sich Kiel regelmäßig eine gute Platzierung beim Fahrradklimatest des ADFC.

Hannah: Ja, Kiel, Bad Segeberg und Lübeck haben vor Kurzem auch den Klimanotstand ausgerufen. Meine Hoffnung ist, dass jetzt endlich Schluss ist mit politischen Entscheidungen, die das Klima zerstören. Die junge Generation wird aber nicht nur auf ein "hoffen" setzen. Wir fordern das jetzt ein.

Kirsten: Da fordern wir alle mit! Dazu müssen so schnell wie möglich und ab sofort sämtliche Rahmenbedingungen geändert werden. Ganz viele Verwaltungsstrukturen, finanzielle Rahmenbedingungen und Verordnungen stehen dem noch entgegen. Es gibt beispielsweise viel zu wenig Personal für eine Mobilitätswende. Jetzt ist Handeln angesagt, das geht nicht von heute auf morgen.

Hannah: Egal ob Mobilitäts-, Energie- oder Agrarwende, es müssen endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden. Schluss mit dem seichten Gerede und den winzigen Schritten, um bloß keine Wähler*innen zu verlieren. Diese Feigenblattstrategie funktioniert doch schon seit Jahrzehnten nicht. Der Zustand des Klimas wird stetig desaströser. Deswegen sind so viele junge Leute von den etablierten Parteien auch so genervt.

Ich fühle mich allerdings oft auch persönlich hilflos. Ich kann selbst vegan leben, Fahrrad fahren und weniger Heizen, aber wenn der Nachbar mit seinem SUV die Kinder direkt vor die Schultür bringt, kann ich nichts ausrichten.

Kirsten: Ja, es muss einfach und bequem werden, sich klimafreundlich zu verhalten. Da ist die Politik in der Verantwortung, nach all diesen Jahren endlich harte Fakten zu schaffen und sich aus der Hörigkeit gegenüber Lobby und Konzernen zu lösen. Und trotzdem ist jetzt schon jeder verpflichtet, sich selbst klimafreundlich zu verhalten.

Hannah: Öko soll das neue cool werden. Da bringt es bestimmt etwas, über das zu gehen, was vielen als Statussymbol gilt: Geld. CO2-Bepreisung ist eine Idee, die SH in den Bundesrat miteingebracht hat. Jetzt warten wir auf die Stimme der anderen Bundesländer. Aber uns geht das noch nicht weit genug. Wenn wirklich etwas passieren soll, muss das Steuer komplett herumgerissen werden.

Kirsten: Innovationen können zwar hilfreich sein, aber sie werden nicht ausreichen. Elektromobilität auf der Schiene und Fahrräder gibt es bereits seit über 100 Jahren. Die Technik ist nicht neu, aber immer noch aktuell. Es reicht nicht, auf einen Antriebswechsel beim PKW zu setzen, die Mobilitätsinfrastruktur muss sich insgesamt drastisch ändern. Autos haben in Innenstädten nichts mehr zu suchen, zum Beispiel.

Hannah: Aber selbst im günstigsten Fall haben wir in Schleswig-Holstein mit einem früheren Frühling, Starkregen bei gleichzeitiger Dürre und dem Meeresspiegelanstieg auszukommen. Da müssen wir uns drauf einstellen.

Kirsten: Ja, auch da müssen Strategien und Maßnahmen entwickelt werden. Um zum Beispiel das Erhitzen der Städte zu verhindern, braucht es mehr Grünflächen und Wasser! Aber Anpassungen sind nur der Plan Z. Auf allen Stellen vorher steht der absolute und radikale Schutz unseres Klimas und unseres Planeten Erde für alle Bürger*innen!

Hannah: Na, dann müssen wir Plan Y „Klimaschutz“ jetzt auf allen Ebenen umsetzen. Ihr werdet mich also weiterhin bei Freitagsdemos antreffen. Kommt gern vorbei und macht mit.

Kirsten: Das werden wir. Und der BUND-Landesverband Schleswig-Holstein wird weiterhin Druck auf Politik und Wirtschaft machen, damit endlich die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Zukunft geschaffen werden.

BUND-Bestellkorb