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BUND-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Einfach mal zu Fuß gehen

16. März 2020 | Mobilität, Stadtnatur, Suffizienz, Nachhaltigkeit

Ob nun zu Fuß oder auch mit dem Rollstuhl: Die einfachste Fortbewegungsform erlaubt es uns, unsere unmittelbare Umgebung am intensivsten zu erleben.

„Der körperlichen Mobilität Vorrang geben. Dem Fuß- und Radverkehr ist in allen Aspekten (Planung, Finanzierung und Ausführung) Vorrang einzuräumen.“

Forderung 16 aus den „Dringlichen Dreißig des BUND SH

 

Wenn ich auf Nachbarn traf, die fast immer mit dem Auto fuhren, wussten sie nichts von dem neuen Laden um die Ecke. Mit dem Auto ist das Anhalten in voller Fahrt für Freunde, die einem begegnen schlecht möglich. Genau so wenig, wie kurz zu stoppen und die Aussicht zu genießen. Oder, um eine Blume am Straßenrand zu betrachten. Oder man kauft spontan noch etwas ein, ohne einen Parkplatz suchen zu müssen. Wir verlieren mit der Geschwindigkeit den Blick für viele Kleinigkeiten und damit auch Manches, was wichtig für unser Leben sein könnte.

 

Selbstbestimmte Mobilität funktioniert von klein auf

Umso bedauerlicher ist es, dass viele unserer Wege nicht barrierefrei (auch zugeparkt) und sicher sind. Das macht den Schulweg für Kinder zu Fuß und/oder auch mit Rollator oder Rollstuhl schwieriger. Für Schüler*innen ist es zum Beispiel sehr wichtig, dass sie frühzeitig die Kompetenz erwerben, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Statt „Elterntaxi“ bietet sich die Einrichtung eines „Schulbusses auf Füßen“ an, bei dem eine erwachsene „Chauffeuse“ einen Schulweg abgeht und dabei die Kinder mitnimmt, die auf dem Weg wohnen. Da Bewegungsarmut bereits im frühen Kindesalter zu finden ist (ebenso wie frische Luft oder Sonne), ist dies ein guter Start in den Tag. Ganz nebenbei lernen Kinder auf diese Weise ihre Umgebung kennen und bekommen täglich Übung darin, sich selbstbewusst zu orientieren.

Neben der gebotenen Vorsicht ist es für angehende Fußgänger*innen auch wichtig, selbstbewusst bestimmte Rechte für sich beanspruchen zu lernen. Erst daraus kann sich auch ein kritischeres Umweltbewusstsein entwickeln. Und nur wenn man lernt zu sehen, zu erkennen und zu empfinden, kommt man irgendwann dazu, die Welt wie sie ist zu hinterfragen. Es geht hier also auch um mehr als Verkehr.

 

Everybody is an expert - traue Dir selbst!

Zum Andenken an den Geburtstag der amerikanischen Architekturkritikerin Jane Jacobs finden an jedem ersten Maiwochenende (aber auch in anderen Monaten) weltweit die sogenannten „Jane‘s Walks“ statt. Sie dienen auch dazu, das Schauen zu lernen und die eigene Umwelt kritisch zu betrachten. Jede*r kann solche Spaziergänge veranstalten. Jane Jacobs Haltung war «Everybody is an expert» (jede/r ist ein Experte) und wollte damit anregen seinen eigenen Wahrnehmungen und Erfahrungen zu trauen und nicht nur auf Stadt- und Verkehrsplaner zu vertrauen, die uns gerne weiß machen wollen, dass wir ihre sterilen Stadtarchitekturen nur falsch nutzen würden. Oder das wir uns zu Unrecht in einer kleinen Straße wohl fühlen, mit Alleebäumen und wenig Verkehr.

 

Einfach Spazierengehen

Um dieses Empfinden in Widerspruch oder Aktivitäten zu übersetzen, können wiederum Expert*innen helfen. Am Anfang aber steht immer der einzelne Mensch, egal welchen Geschlechts, Altersstufe, Behinderung und Herkunft, der mit der Gestaltung der Umwelt zurechtkommen muss und zunächst nur die eigenen Wahrnehmungen hat. Diese Sichtweise abseits der architektonischen Vogelperspektive bildet auch bei dem dänischen Architekten Jan Gehl das Leitmotiv „The Human Scale“ (Das menschliche Maß), das im Gegensatz zu Architekten wie Le Corbusier steht, der in seinen maßstabsgetreuen Modellen der autogerechten Stadt ganz nebenbei vergaß, an Parkplätze für die vielen Menschen zu denken, die seiner Meinung nach alle in Hochhäusern leben sollten. Auch der Soziologe Lucius Burkhardt (1925-2003) erwartete von seinen Studierenden mit seiner Methode der «Promenadologie», dass sie sich mit ihrer Umwelt konfrontieren, wenn sie planerische Fragen zu klären haben.

Betrachtet man Dinge aus der Nähe, so erkennt man eben sowohl ihren Wert als auch den möglichen Schaden, den sie anrichten. Die Welt zu Fuß zu entdecken, bedeutet also, dass man anders als bei einer Betrachtungsweise „vom Reißbrett“ aus, die Dinge eher so sieht, wie sie wirklich sind.

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