BUND-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Industrielle Agrarwirtschaft - ein Verlust für alle

21. Januar 2020

In Zeiten der Klimakrise wird immer eindeutiger, dass die momentane Form der Landwirtschaft ein Problem darstellt. Dabei ist sie ein Teil unserer Lebensgrundlage. Zeit für die Agrarwende!

Die Idylle täuscht. Große Monokulturen mit starker Düngung und Pestizideinsatz sind in der intensiven Agrarwirtschaft üblich. (Foto: Glenn Carstens-Peters (pixabay))

Die Industrialisierung beeinflusste alle Lebensbereiche. In den Letzten 100 Jahren hat sich dadurch auch die Landwirtschaft grundlegend verändert. Unsere heutige landwirtschaftliche Produktionsweise erlaubt uns sogar 18 Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich wegzuschmeißen – zu Lasten des Klimas und der Umwelt. Um diese Produktionsleistung zu erreichen, wurde die Landwirtschaft intensiviert. Aus kleinbäuerlichen Betrieben wurden Aktiengesellschaften mit mehreren tausenden Hektar Monokulturen. Immer mehr Fläche wurde der Natur abgetrotzt und verwertet.

 

Erst leidet Artenvielfalt - dann der Mensch

Biodiversität ist auf solchen Feldern nicht zu finden, im Gegenteil: In der industriellen Agrarwirtschaft wird versucht, mithilfe von chemischen Giften, unerwünschte tierische und pflanzliche Lebewesen zu töten oder fernzuhalten. Pestizide werden immer da eingesetzt wo Gewinne maximiert und Verluste minimiert werden sollen. Besonders betroffen sind Insekten, die für die Landwirtschaft essenziell als Bestäuber sind. Wenn die Agrarwirtschaft nicht schnell und im Grunde reformiert wird, müssen Pflanzen bald künstlich bestäubt werden. In China ist diese ökologische Katastrophe bereits eingetreten. Die dortigen dezimierten Bienenpopulationen sind nicht mehr groß genug, um die Nahrungsversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Die eingesetzten Ersatzbestäuber*innen (Menschen mit Pinseln) erbringen nicht annähernd dieselbe Bestäubungsleistung.

Das Problem ist menschgemacht

Eine Veränderung zum Positiven ist hierzulande jedoch kaum zu erkennen. Hinter der Agrarindustrie steht eine einflussreiche Lobby, die Interessen von Konzernen und Großbetrieben vertritt und in das politische Tagesgeschehen einbringt. Gesetzlich wird die Landwirtschaft auf EU-Ebene nach der „Gemeinsamen Agrarpolitik“ geregelt. In dieser sind sogenannte Flächenprämien geregelt, sprich: Betriebe werden entsprechend der Anzahl an Hektar, die sie bewirtschaften, mit einer bestimmten Summe subventioniert. Dies führt dazu, dass Großbetriebe, die oftmals konventionell wirtschaften, stärker gefördert werden. Kleinere Betriebe, die finanziell sowieso stärker herausgefordert sind (da z.B. Maschinen in der Anschaffung gleich teuer bleiben, egal wie groß der Betrieb ist), haben das Nachsehen. Nachhaltigere oder gar Biolandwirtschaft wird durch dieses Konzept schon gar nicht angereizt.

Landwirtschaft im Einklang mit dem Menschen

Die Subventionen sind somit nicht nur den Landwirten*innen gegenüber unfair, sondern erzeugen auch einen immer größeren Verlust der Artenvielfalt. Als Fazit bleibt: Wenn es um konsequenten Klimaschutz und eine vielfältige Natur geht, müssen wir in der Gesellschaft umdenken. Das betrifft auch die Landwirtschaft. Eine Neustrukturierung muss mit den Landwirt*innen zusammen
geschehen - Hand in Hand. Eine zukunftsfähige Landwirtschaft fußt auf einer Agrarpolitik, die tatsächlich gemeinsam mit den Menschen und für die Umwelt ausgerichtet ist. Hierzu fordert der BUND Schleswig-Holstein:

Forderungen für eine nachhaltigere und tierfreundlichere Landwirtschaft:

  • Megaställe verhindern. Bauernhöfe statt Agrarfabriken.
  • Tierzahlen an Fläche binden. Obergrenze pro Standort.
  • Antibiotika-Missbrauch beenden. Reserveantibiotika in der Tierhaltung verbieten.
  • Geschlossene Kreisläufe: Mindestens 50 Prozent des Tierfutters aus eigener Produktion.
  • Tierschutzgesetz reformieren. Kontrollen verschärfen.
  • Irreführende Werbung verbieten. Fleisch aus Massentierhaltung kennzeichnen.
  • Düngeverordnung überarbeiten. Gewässer vor Güllehavarien schützen.
  • Landraub verhindern. Für Gerechtigkeit in der weltweiten Agrarpolitik sorgen.

 

Der BUND setzt sich für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und für Artenvielfalt ein:

Der BUND und die BUNDjugend Schleswig-Holstein fordern in der Kieler Innenstadt und vor dem schleswig-holsteinischen Landtag: Insektensterben stoppen!

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