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BUND-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie giftig sind deine Blätter?

14. Dezember 2017 | Chemie, Landwirtschaft, Umweltgifte, Wälder

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Weihnachtsbäume im gesamten Bundesgebiet auf Pestizidrückstände untersucht: Nur jeder vierte Baum der Stichprobe war unbelastet. Auch eine in Schleswig-Holstein entnommene Probe wurde getestet.

BUND-Aktive in Kiel beim Kauf des Weihnachtsbaumes als Probe für den bundesweiten Test (Foto ist kostenlos zur Veröffentlichung freigegeben, zum Vergrößern bitte klicken)

Die untersuchten Weihnachtsbäume stammten überwiegend von deutschen Plantagen und wurden stichprobenartig in Baumärkten, Gartencentern und im Straßenverkauf im gesamten Bundesgebiet  erworben. Auch aus Schleswig-Holstein wurde eine Nadelprobe eingesandt. Die aus dem Sauerland stammende Nordmanntanne, die in einem Kieler Baumarkt gekauft wurde, wies erfreulicherweise keine Pestizidrückstände auf. Hingegen wurde bei einem in Dresden gekauften Weihnachtsbaum, der auf einer Plantage in Schleswig-Holstein gezogen worden ist, ein Pestizid nachgewiesen.

„Der Kauf von heimischen oder sogar regionalen Waren allein gibt keine Garantie auf einen unbelasteten Christbaum. Wer in der Weihnachtszeit trotzdem nicht auf den grünen Baum im Wohnzimmer verzichten möchte, sollte nur zertifizierte Bio-Weihnachtsbäume oder Bäume aus heimischer, ökologischer Waldwirtschaft kaufen“, rät Birte Lindner, Biologin beim BUND-Landesverband Schleswig-Holstein. Auskunft über FSC-zertifizierte Wälder, in denen keine Pestizide eingesetzt werden, gibt zum Beispiel das örtliche Forstamt. Bio-Bäume, die frei von Schadstoffen sind, erkennen Verbraucher*innen am Siegel der Öko-Anbauverbände Bioland, Naturland oder Demeter.

Die Verwendung von Pestiziden in der Land- und Forstwirtschaft ist in erster Linie ein Umweltproblem. „Die Gifte belasten Böden und Gewässer. Sie schädigen Bienen und andere Insekten und zerstören auch die Lebensgrundlage weiterer Nützlinge“, erläutert Lindner. Nicht zu vernachlässigen seien jedoch auch mögliche gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Pestizide in geschlossenen und beheizten Räumen in die Raumluft ausdünsten“, sagt die Pestizidexpertin Corinna Hölzel vom BUND-Bundesverband.

Die Nadeln von 17 Weihnachtsbäumen aus 15 Orten wurden von einem unabhängigen Labor auf Rückstände von knapp 140 Pestiziden untersucht. Bei 13 der analysierten Bäume wurde das Labor fündig. Insgesamt wurden bei dem Test neun verschiedene Pestizide gefunden, von welchen fünf zu den gefährlichsten zählen, die derzeit in der EU eingesetzt werden.

Mehr als die Hälfte der getesteten Bäume war mit mindestens zwei Wirkstoffen belastet, ein Baum enthielt sogar Rückstände von vier Pestiziden. Am häufigsten wurde das Insektizid Lambda-Cyhalothrin festgestellt, welches als das schädlichste zurzeit in der EU zugelassene Pestizid gilt. Es ist unter anderem akut toxisch, schädigt Nervenzellen und das Hormonsystem. Zudem ist es giftig für Bienen und Wasserlebewesen und reichert sich in Organismen an. Ein weiterer bei dem BUND-Weihnachtsbaumtest gefundener Wirkstoff, Parathion-Ethyl, ist illegal und darf bereits seit 15 Jahren nicht mehr in der EU eingesetzt werden. In zwei Weihnachtsbäumen wurde auch das umstrittene Totalherbizid Glyphosat nachgewiesen.

Hintergrundinformationen zu den beim Test gefundenen Pestiziden: www.bund.net/weihnachtsbaumtest-hintergrund

Zu einer Liste der Umweltschutzorganisation Robin Wood mit Verkaufsstellen für Bio-Weihnachtsbäume: www.robinwood.de/schwerpunkte/okologische-weihnachtsbaume

Pressekontakt:
Birte Lindner, Diplom-Biologin, BUND-Landesverband Schleswig-Holstein
Telefon: 0431 66060-40, E-Mail: birte.lindner(at)bund-sh.de

Corinna Hölzel, Pestizidexpertin, BUND-Bundesverband 
Telefon: 0175-4487691, E-Mail: corinna.hoelzel(at)bund.net 

Annika Natus, BUND-Pressesprecherin
Telefon: 030 27586-464, E-Mail: presse(at)bund.net

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