Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit der hier beschriebenen Verwendung von Cookies durch den BUND einverstanden. An dieser Stelle können Sie auch der Verwendung von Cookies widersprechen bzw. eine erteilte Einwilligung widerrufen. Der Einsatz von Cookies erfolgt, um Ihre Nutzung unserer Webseiten zu analysieren und unser Angebot zu personalisieren.

BUND-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Spielplätze waren schon einmal gesperrt - 34 Jahre nach dem GAU von Tschernobyl:

24. April 2020 | Atomkraft, Energiewende, Landespolitik, Klimawandel

Kiel. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Schleswig-Holstein erinnert an die Atomkatastrophe von Tschernobyl, die am 26. April vor 34 Jahren die Welt erschütterte. Im Gedenken an die Opfer von Atomunfällen weltweit mahnt der BUND, alle Atomanlagen weltweit schnellstens abzuschalten. Schleswig-Holstein trägt noch immer die Verantwortung für die drei Atomkraftwerk(AKW)-Standorte Krümmel, Brunsbüttel und Brokdorf, von denen letzterer noch im Betrieb ist und eine Laufzeitverlängerung durch Zukauf von Reststrommengen des AKW Krümmel erhalten hat.

 (Pixabay)

„Atomkraft ist ein technisch und volkswirtschaftlich überalterter Dinosaurier, der im 21. Jahrhundert nichts mehr zu suchen hat“, sagt BUND-Landesgeschäftsführer Ole Eggers. „Gefahren gehen nicht nur von den unberechenbaren Uraltmeilern wie z.B Tihange und Doel an der belgischen Grenze aus. Ein Unfall dort wird auch im Norden ein unermessliches menschliches Leid verursachen. Brokdorf, das letzte im Betrieb verbleibende AKW in Schleswig-Holstein, kann sofort abgeschaltet werden. Der dort produzierte Strom blockiert die Hochspannungsleitungen nach Süden und damit den Ausbau der regenerativen Energie im Land.“, so Eggers weiter. „Auch der Umgang mit dem Atommüll ist noch völlig ungeklärt. Aus den drei Meilern an der Elbe sollen radioaktive Abfälle, unterhalb der - vom BUND nicht anerkannten – Grenzwerte, auf Schleswig-Holsteiner Mülldeponien verklappt werden. Und die Suche für ein nationales Endlager für hoch- und mittelradioaktive Abfälle, die im Spätsommer in die nächste Runde geht, hat nach wie vor eine Vielzahl von Salz- und Tonlagerstätten im Norden im Blick.“, so Eggers abschließend.
Am frühen Morgen des 26. April 1986 kam es in Block 4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl, in der damaligen Sowjetunion, aufgrund einer Kombination von menschlichem Versagen und Baufehlern des Reaktors, zu einer atomaren Explosion des Reaktorkerns von Block 4. In der Folge starben dutzende Menschen sofort, tausende an den Langzeitfolgen. Europa fürchtete sich vor radioaktiven Niederschlägen, in Deutschland wurden die Spielplätze gesperrt. Die atomaren Partikel aus der Reaktorexplosion sind auch heute noch in Deutschland nachweisbar und haben zur Folge, dass ein Drittel der in Bayern geschossenen Wildschweine nach wie vor nicht verzehrt werden dürfen. Die Kosten der Aufräumarbeiten beziffern sich auf mehrere Milliarden US-Dollar und sind nicht abgeschlossen. Wie die aktuellen Waldbrände in der Ukraine zeigen, geht bis heute eine Gefahr von dem Gebiet durch seine Vergangenheit aus.

Atomkraft ist teurer als Wind und Sonne. Sie liefert vom Steuerzahler subventionierten Strom, wirkt daher günstiger als die Erneuerbaren und behindert so die Energiewende. Zudem birgt sie ein extrem hohes Risiko für erneute globale Katastrophen. Am Ende zahlen für beides die Bürgerinnen und Bürger.
Der BUND fordert die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen, den zügigen Ausbau der erneuerbaren Energieträger und die Nutzung aller Möglichkeiten zur Energieeinsparung in SH und Deutschland. Der Strahlenschutz muss oberste Priorität beim Rückbau und der Lagerung strahlender Abfälle haben. Betreiber*innen müssen für die Entsorgung des Mülls und der Anlagen vollumfänglich in die Pflicht genommen werden. Größtmögliche Sicherheit hat absoluten Vorrang vor der Reduzierung von Kosten bei der Lagerung. Bei der Suche nach einem geeigneten Endlagerstandort ist absolute Transparenz und die konstante Einbindung der Öffentlichkeit unerlässlich. Das sind die Lehren, die aus der Katastrophe von Tschernobyl (und Fukushima) zu ziehen sind.


Pressekontakt BUND SH:

Ann Kristin Montano, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Naturschutz BUND SH, annkristin.montano(at)bund-sh.de, Tel.: 01525/3789231
Ole Eggers, Geschäftsführer BUND SH, ole.eggers(at)bund-sh.de, Tel.: 0178/6350719

Zur Übersicht

BUND-Bestellkorb