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BUND-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Insektenfreundliche Beleuchtung

Unser nächtliches Stadt- und Landschaftsbild hat sich durch künstliche Beleuchtung stark verändert: Angestrahlte Bauwerke, Skybeamer auf Discotheken und Straßenlaternen erhellen den Himmel Nacht für Nacht. Doch welche Konsequenzen ergeben sich daraus für unsere nachtaktiven Insekten?

Künstliche Lichtquellen sind seit vielen Jahrhunderten ein wichtiger Teil des Alltags der Menschen. Licht bietet Sicherheit in der Nacht, verströmt Behaglichkeit und dient auch immer öfter als Verschönerung. Die Kehrseite der Medaille ist, dass sich seit der Einführung der Straßenbeleuchtungen im 19. Jahrhundert die Menge an Lichtquellen exponentiell gesteigert hat. Allein in Kiel nahm die Zahl an Straßenlaternen in den letzten sechzig Jahren um mindestens das fünfzigfache zu. In Deutschland stehen inzwischen knapp sieben Millionen Straßenlaternen und werden zu einer tödlichen Falle für Insekten: Forscher der Universität Mainz haben berechnet, dass bis zu eine Milliarde nachtaktive Insekten pro Tag in Deutschland an Straßenlaternen verenden.

Insekten und Licht

Insekten orientieren sich normalerweise an natürlichen Lichtquellen – in der Nacht sind dies nur wenige, wie Sterne oder der Mond. Den meisten Arten reicht dabei schon eine Lichtstärke von nur 0,0015 bis 0,6 Lux. Die Insekten halten beispielsweise einen rechten Winkel zum Mond und können sich aufgrund der großen Entfernung zum Mond so in einer geraden Linie orientieren. Künstliche Lichtquellen sind jedoch um ein Vielfaches heller, näher und überstrahlen natürliche Lichtquellen. Fliegt ein Insekt an einer Lampe vorbei, wird es sich an dieser orientieren. Da eine künstliche Lichtquelle viel näher als der Mond ist, wird das konstante Einhalten des rechten Winkels dazu führen, dass das Insekt der Lampe immer näher kommt.

Ein besonderes Problem stellt der Spektralbereich beziehungsweise die Wellenlänge des verwendeten Lichtes dar, quasi die Farbe der Lampe. Die immer noch weit verbreitenden Quecksilberdampf-Hochdrucklampen (HME-Lampen)  oder Metallhalogendampf-Hochdrucklampen (HCI-Lampen) sehen für das menschliche Auge weiß aus, da sie im gesamten Spektralbereich von 320-720 Nanometer (nm) strahlen. Unterhalb von 400 nm können Menschen dieses Licht aber nicht mehr wahrnehmen. Nachtfalter beispielsweise nehmen aber Licht im Bereich von 280-600 nm wahr. Insekten werden deshalb von Lampen dieses Typs besonders angelockt.  

Anlockwirkungen unterschiedlicher Lampentypen

(HCI TT) Metallhalogendampf-Hochdrucklampe 3000-6500 K 198-372 Insekten/Nacht
(NAV T) Natriumdampf- Hochdrucklampe 2.000 K 162,9 Insekten/Nacht
LED 6000 K 74,9 Insekten/Nacht
LED 3000 K 41,1 Insekten/Nacht

Die umweltfreundliche Alternative: Natriumdampf-Niederdrucklampen oder LED

Aus diesem Vergleich wird deutlich, dass Natriumdampf- Hochdrucklampen (NAV T) oder LED-Lampen die deutlich sinnvollere Alternative sind. Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Anlockwirkung beim Einsatz von Natriumdampf-Niederdrucklampen nochmals niedriger ist. Diese senden fast monochromatisches Licht mit einer Wellenlänge von 590 nm aus. Dies ist weit oberhalb der 380-400 nm, das die meisten Insekten wahrnehmen können. Eine Natriumdampf-Niederdrucklampe ist für Insekten also weniger sichtbar und deshalb nicht so gefährlich, wenn auch nicht völlig unbedenklich. Vor allem warm-weiße LEDs bilden zwar ein deutlich breiteres Spektrum ab, aber emittieren ebenfalls nicht unterhalb von 400 nm.  Sie sind damit für Insekten nur schwer wahrnehmbar. LED-Lampen haben zusätzlich noch den Vorteil, dass sie bei gleicher Leuchtkraft deutlich weniger Strom verbrauchen.  So macht eine Umstellung auf LED-Leuchtmittel nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch Sinn und fördert den Klimaschutz. Durch die Umstellung eines Stadtteils auf LED-Leuchten  senkte die Stadt  Kiel den Stromverbrauch um ganze 48 Megawattstunden pro Jahr. Dies gilt auch für den privaten Einsatz: günstige LED-Leuchtmittel mit geringem Stromverbrauch und insektenfreundlichem Lichtspektrum findet man inzwischen in jedem Leuchtmittel-Geschäft.  

Der BUND empfiehlt:

  • Insektenfreundliche Leuchtmittel (Natriumdampf-Niederdrucklampen oder bevorzugt LED-Lampen) einsetzen
  • Durch Gehäuse mit Richtcharakteristik unnötige Lichtemissionen vermeiden
  • Möglichst niedrige Anbringung, um weite Abstrahlung in die Umgebung zu vermeiden
  • Einsatz vollständig abgeschlossener Lampengehäuse gegen das Eindringen von Insekten
  • Gehäuse verwenden, deren Oberflächen nicht heißer als 60°C werden
  • Einbau von Zeitschaltuhren, Dämmerungsschaltern und Bewegungsmeldern
  • Insgesamt sparsame Verwendung (Anzahl der Lampen und Leuchtstärke) von Außenbeleuchtung, insbesondere im Nahbereich von insektenreichen Biotopen

Vorteile der Reduktion von Lichtemissionen:

  • Weniger Lichtemissionen bedeuten weniger Energieverbrauch, also geringere Stromkosten
  • Weniger Lichtemissionen erhöhen die Lebensqualität für Menschen, Tiere und Pflanzen
  • Weniger Lichtemissionen erlauben die wahre Ästhetik der Nacht und des Sternenhimmels zu genießen 

Flyer "Insektenfreundliche Leuchtmittel" (PDF) 

Ihre Ansprechpartnerin

Ann Kristin Montano

Öffentlichkeitsarbeit & Naturschutz
E-Mail schreiben Tel.: 0431 66 060-40

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