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BUND-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Jakobs-Kreuzkraut

In Schleswig-Holstein hat sich das seit Jahrhunderten heimische Jakobs-Kreuzkraut (auch in der Schreibweise Jakobskreuzkraut oder Jakobs-Greiskraut genannt) in den letzten Jahren stark vermehrt. Wie damit aus Naturschutz-Sicht umgehen?

Seit einigen Jahren ist nun eine immer stärkere Skandalisierung des Themas in der Öffentlichkeit zu beobachten. Im Fokus stehen dabei Inhaltsstoffe des Jakobs-Kreuzkrautes, die im Körper von Tier und Mensch leberschädigende Wirkung entfalten. Insbesondere Pferde und Rinder sind empfindlich gegenüber diesen Giftstoffen und können im Extremfall an der Aufnahme verenden. Aber auch Bienen können über den Pollen und Nektar der Pflanze die Giftstoffe in Honig und damit in die menschliche Nahrungskette einspeisen.

Da die Pflanze in den letzten Jahren sich unerwartet stark entwickelt hat und dies vor allem auf extensiv genutzten Weiden und Brachen passierte, steht nun die Stiftung Naturschutz, die viele solcher Flächen besitzt, unter heftiger Kritik. Sie wurde in der Presse unter anderem für den angeblich durch Jakobskreuzkraut verursachten Tod zweier Rinder in der Nähe von Neustadt in Holstein verantwortlich gemacht. 

Worum geht es?

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Steckbrief: Jakobs-Kreuzkraut

Das Jakobs-Kreuzkraut (Senecio jacobaea), auch Jakobs-Greiskraut genannt beziehungsweise in der Schreibweise Jakobskreuzkraut, ist eine in Deutschland heimische Pflanze aus der Familie der Korbblütler. Die meist zweijährige Pflanze ist gerade auf Magerrasen, Brachen, Wiesen sowie sandigeren Standorten, Säumen auf der Geest, Straßenböschungen und im Bereich von Kiesabbau-Rohbodenarealen verbreitet. Wird die natürliche Triebbildung durch Mahd oder Beweidung häufig gestört, so kann die Pflanze auch mehr als zwei Jahre aktiv bleiben. Die bis zu anderthalb Meter hohe Pflanze bildet eine Pfahlwurzel mit zahlreichen, umgebenden Faserwurzel aus. Wurzelreste sind in der Lage neue Pflanzen auszutreiben. Eine einzelne Pflanze kann an die 100.000 flugfähige Samen bilden. Knapp 25 Jahren können die Samen im Boden keimfähig bleiben.

Wie viele andere Pflanzenarten (ca. 3% aller Pflanzenarten weltweit) enthält das Jakobs-Kreuzkraut Pyrrolizidinalkaloide (PA), die im Körper zu leberschädigenden Giften umgewandelt werden können. Die Giftstoffe werden nicht ausgeschieden, sondern reichern sich in der Leber an. Schon kleine Dosen können so über lange Zeiträume zu chronischen Vergiftungen führen, die Leberschäden verursachen und im Extremfall zum Tode führen. Eine Behandlung ist nicht möglich. Insbesondere Rinder und Pferde sind gefährdet, Schafe und Ziegen sind weniger bedroht. Hasen und andere Nagetiere scheinen quasi immun zu sein.
Für andere Tierarten stellt die Pflanze keine Bedrohung dar. Im Gegenteil: Sie ist Nahrungspflanze für eine Vielzahl von Schmetterlingen, Käfern und anderen Insekten – insgesamt über 170 Tierarten. Einige Arten sind sogar exklusiv auf das Jakobskreuzkraut und nahe verwandten Arten angewiesen.

Gefahren für Nutztiere

Das Jakobs-Kreuzkraut kann zur Gefahr für Nutztiere werden, wenn diese die Pflanze über längeren Zeitraum aufnehmen. Problematisch ist vor allem der Verbiss an jungen Pflanzen, da diese noch nicht ausreichend abschreckende Bitterstoffe gebildet haben. Besonders junge Tiere sind gefährdet. Normalerweise meiden Pferde und Rinder die Pflanze aber aufgrund ihres bitteren Geschmacks. Bei der Trocknung zur Heuherstellung werden die abschreckenden Bitterstoffe jedoch abgebaut, die Giftstoffe bleiben aber erhalten. Nutztiere können die Pflanzen dann also nicht mehr erkennen und meiden. Deshalb besteht die höchste Gefahr für Nutztiere in der Aufnahme von Jakobs-Kreuzkraut-haltigem Heu. Analog gilt das auch für das Mulchen von Flächen: Solange die Pflanzenteile nicht abgebaut sind, dürfen keine Tiere auf die Fläche gelangen, da auch sie Gefahr laufen irrtümlicherweise Jakobs-Kreuzkraut-haltigen Mulch zu fressen.

 

Belasteter Honig

Jakobs-Kreuzkraut ist keine bevorzugte Trachtpflanze für Honig- oder Wildbienen. Nach dem Ende der Lindenblüte bis zum Beginn der späteren Sommertrachten finden Bienen in unserer auf ökonomische Effizienz getrimmten Agrarlandschaft immer weniger Nahrungspflanzen. Als letztes Mittel weichen sie dann auf das Jakobs-Kreuzkraut aus, insbesondere wenn diese bestimmte Areale dominiert.

Da beim Jakobs-Kreuzkraut insbesondere die Blüten und Pollen viele Giftstoffe enthalten, können diese über die Bienen auch in für den menschlichen Verzehr bestimmten Honig gelangen. Diese Gefährdung kann aber einfach ausgeschlossen werden: Der Honig wird vor der Blüte des Jakobs-Kreuzkrautes im Juli geschleudert, so wie dies auch jetzt schon gängige Praxis bei den meisten Imkern ist.

Wenn nun in einzelnen Untersuchungen extrem hohe Werte für die giftigen Inhaltsstoffe des Jakobs-Kreuzkrautes festgestellt werden, dann muss kritisch hinterfragt werden, wie diese zustande kommen. Es scheinen hier gezielt Bienenstöcke in Naturschutzflächen mit dichten Betänden von Jakobs-Kreuzkraut gestellt worden zu sein, während die Umgebung weitgehend blütenfrei war. Die Honige scheinen extra spät geschleudert worden zu sein. Die hohen Werte an Pyrrolizidinalkaloiden sind also auf eine kleine Gruppe von Imkern zurückzuführen, die gegen eine Reihe von Empfehlungen verstoßen haben.

Es muss außerdem angemerkt werden, dass Nutztiere, Bienen und der Endverbraucher heutzutage schon einer Vielzahl von Giftstoffen ausgesetzt sind, die in der konventionellen Landwirtschaft bedenkenlos versprüht werden. Viele dieser Stoffe stehen im Verdacht krebserregend zu sein (wie Glyphosat) oder werden beispielsweise für das Bienensterben verantwortlich gemacht (wie die Neonicotinoide).

Muss man gegen Jakobskreuzkraut vorgehen und wenn ja, wie?

Aus Sicht des Naturschutzes ist das Jakobskreuzkraut keine „Problempflanze“ – im Gegenteil. Das Jakobskreuzkraut ist eine wichtige Nahrungs- und Pollenquelle für eine Vielzahl von Tierarten, einige davon wären ohne das Jakobskreuzkraut sogar vom Aussterben bedroht. Das Jakobskreuzkraut unterliegt außerdem einem komplexen Populationszyklus und findet viele Gegenspieler in der Insektenwelt. Auf das massenhafte Vermehren von Jakobskreuzkraut folgt in der Regel ein ebenso rapider Einbruch, wenn sich dessen Gegenspieler – z.B. der Blutbär, Tyria jacobaeae – ausreichend vermehrt haben. In diesem Sinne ist eine gewisse Gelassenheit anzumahnen.

Um Nutztiere auf einzelnen Weiden zu schützen, kann es aber notwendig sein, dass das Jakobskreuzkraut mechanisch bekämpft wird. Diese Bekämpfung sollte aber nicht als spontane Hauruckaktionen erfolgen, sondern sie bedarf grundsätzlich einer fachgerechten Betreuung. Dies ist wichtig damit Arten, die schnell mit dem Jakobskreuzkraut verwechselt werden, nicht unter die Räder gelangen, wie etwa Johanniskraut, Goldrute oder Wiesen-Pippau. In Schutzgebieten und gesetzlichen geschützten Biotopen müssen außerdem die zuständigen Fachbehörden, die Betreuer und Naturschutzverbände unbedingt einbezogen werden.

Die entfernten Pflanzen müssen in Kompostier- oder Biogasanlagen verarbeitet werden und dürfen nicht auf der Fläche verbleiben beziehungsweise müssen vollständig verrottet sein bevor Tiere wieder auf die Fläche gelassen werden.
Generell gilt, dass jede Bekämpfungsmaßnahme an den jeweiligen Standort fachkundig angepasst werden muss, um die Schäden auf den Naturschutzflächen so gering wie möglich zu halten. Gerade aufgrund der Gefahr von irreversiblen Schäden für Nicht-Zielorganismen ist eine Bekämpfung mit Herbiziden oder durch großflächiges Umpflügen oder Abbrennen aus Sicht des Naturschutzes konsequent abzulehnen.

Ob all diese Maßnahmen aber zum gewünschten Erfolg führen, ist anzuzweifeln. Bisher gibt es kaum Beispiele bei der die Eindämmung einer sich rasch ausbreitenden Art gelang, nachdem diese sich etabliert hatte. Gerade im Zusammenhang mit invasiven Arten wird dies deutlich illustriert. Es muss also hinterfragt werden, ob der kostenintensive Einsatz von Gerät und Personal wirklich den gewünschten Erfolg bringen kann oder ob es sich nicht eher um blinden Aktionismus handelt, der der Presse schöne Bilder liefern soll.

Aus fachlicher Sicht sollte die Priorität deshalb sein die weitere Ausbreitung von Jakobskreuzkraut durch eine richtige Pflege potentieller Ansiedlungsflächen zu bremsen. Das bedeutet vor allem eine sachgerechte Narbenpflege auf Weiden und Koppeln, da eine geschlossene, gesunde Grasnarbe verhindert, dass sich das Jakobskreuzkraut ansiedeln kann. In Kooperation mit natürlichen Gegenspielern des Jakobskreuzkrautes besteht dann die Chance, dass sich das Problem bald „von alleine“ löst. 

Ihr Ansprechpartner

Tobias Langguth

Naturschutz & Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail schreiben Tel.: 0431 66 060-51 Mobil: 0170 43 62 360

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