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BUND-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Neobiota - Freund oder Feind?

Neobiota (aus dem Griechischen "neo" = neu und "Biota" = Leben). Neobiota sind also neue Lebensformen, die aus anderen Regionen nach Deutschland gekommen sind. Um sie rankt sich eine kontroverse Debatte, die von Ausrotten bis Ignorieren reicht.

Neobiota werden in drei Kategorien eingeteilt. Neue Tierarten werden als Neozoen bezeichnet, Pflanzen als Neophyten und neue Pilzarten werden als Neomyceten betitelt.

Tier- und Pflanzenarten, die ihre natürliche Umgebung verlassen und sich an neuen Orten ansiedeln, sind schon immer Teil des ökologischen Wandels gewesen. So kam zum Beispiel die Buche ursprünglich nicht in Deutschland vor, wird aber heutzutage als heimisch angesehen.

Den Begriff Neobiota verwendet man nämlich nur für Arten, die sich nach der Entdeckung Amerikas und der damit begonnenen Kolonialisierung 1492 in Deutschland angesiedelt haben.

Wie sich eine Art verbreitet ist jedoch unterschiedlich. Die Verbreitungsart, die besonders nach der Entdeckung Amerikas am häufigsten vorzufinden war, ist die beabsichtigte Einführung durch den Menschen.

Die unbeabsichtigte Etablierung von Neobiota ist heutzutage die Häufigste. Durch Handelsschiffe, Flugverkehr usw. werden neue Arten zufällig in ein anderes Land gebracht.

Die letzte Möglichkeit der Verbreitung wird durch natürliche, meist unvorhersehbare Umweltereignisse hervorgerufen. Sturmfluten oder Unwetter transportieren Samen, Eier etc. in andere Regionen und Länder.

Positive Auswirkungen

Der Chinesische Sommerflieder - ein allgegenwärtiger Neophyt in deutschen Gärten.  (Stones / Pixabay )

Neobiota, besonders Neophyten bringen oftmals Eigenschaften mit, die für unsere bestehenden Ökosysteme von Vorteil sind.

Es entstehen neue Zusammenhänge zwischen den Lebewesen in einem Ökosystem. So bilden sich neue Nahrungsnetzte zwischen heimischen und neu angesiedelten Arten. Der Sommerflieder aus China beheimatet zum Beispiel ca. 43 Tagfalter und 11 Raupenarten. Durch Neobiota wird auch garantiert, dass viele heimische Arten in den verschiedensten Jahreszeiten Nahrung finden. So gilt der Sommerflieder besonders im Sommer als Nahrungsquelle für Insekten, die spätblühende Riesenstaude hingegen ist eine üppige Nahrungsquelle zu Zeiten, in denen die heimische Flora so gut wie keine Blüten mehr zur Verfügung stellen kann.

Für heimische Vogelarten wie zum Beispiel der Blau- oder Kohlmeise ist besonders die Larve der eingewanderten Rosskastanienminiermotte zu einer wichtigen Nahrungsquelle für die Aufzucht der Jungvögel geworden. Die Rosskastanienminiermotte zählt als Schädling der ebenfalls eingewanderten Rosskastanie und wird viel bekämpft. Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Anbringung von Nistkästen an befallenen Bäumen zu einem geringeren Befall führen kann, womit eine Regeneration der Bäume möglich ist.

Viele Neobiota werden auch als Nahrungsmittel von uns Menschen verwendet. Zu den bekanntesten zählen die Kartoffel und die Tomate. 

Konfliktpotential

Die eingewanderte Varroamilbe auf dem Rücken einer Honigbiene.  (Vincent Dietemann, Agroscope / Flickr / CC BY-ND 2.0 )

Neobiota können jedoch auch negative Auswirkungen auf Ökosysteme haben.

So überträgt das Grauhörnchen in England einen Virus auf einheimische Eichhörnchen, der für diese meistens tödlich endet.

Außerdem können Neobiota als direkte Konkurrenten auf heimische Arten wirken. So ernährt sich die Varroamilbe von der Körperflüssigkeit der Honigbienen (-larven). Die befallenen Tiere verlieren Gewicht und sind ca. ein Zehntel kleiner als gesunde Bienen. Hinzu kommen eine verkürzte Lebensspanne und eine schlechtere Lernleistung, was dazu führt, dass befallene Bienen häufiger nicht mehr zum Stock zurück kehren.

Die Varroamilbe dient außerdem als Vektor von Krankheiten. So werden 18 bekannte Bienenkrankheiten von der Milbe übertragen.

Neobiota etablieren sich häufig in ökologischen Nischen, in denen noch viel Raum für sie ist. Sind sie einmal in einem Gebiet etabliert, ist es jedoch schwer die dort lebenden heimischen Tiere zu erhalten. Neobiota können die Ressourcen die ihnen zur Verfügung stehen, nämlich oft besser nutzen. So hat sich der Marderhund in dem Gebiet des Waschbären (selbst ein Neozoe) angesiedelt und bedroht seine Bestände bzw. behindert seine weitere Ausbreitung.

Insbesondere Neophyten können noch weitere positive Auswirkungen auf Ökosysteme haben. Sie sind oftmals besser geeignet, vom Menschen beeinflusste (anthropogene) Flächen zu besiedeln. Ist eine Fläche einmal von Neobiota besiedelt, ist es für andere Neobiota schwer, sich ebenfalls dort anzusiedeln. 

Invasive Arten und deren Bekämpfung

Der schlechte Ruf von Neobiota ist auf invasive Arten zurückzuführen.

Als invasive Arten werden jene betitelt, die von dem Menschen angesiedelt wurden und unerwünschte, starke Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope haben.

Man muss Bedenken, dass nicht alle Neobiota invasiv sind!

Invasive Arten werden von vielen Menschen als Bedrohung angesehen und man entwickelt bis heute Maßnahmen zur Bekämpfung dieser. Deshalb werden invasive Neophyten wie der Riesenbärenklau beispielsweise oft mit Pestiziden bekämpf. Dies hat jedoch zur Folge, dass auch einheimische Arten in diesem Gebiet vernichtet werden. Auch Rodungen zur Eindämmung haben negative Auswirkungen auf das gesamte Biotop.

Neophyten mit langen, tiefen Wurzeln werden als Bekämpfungsmaßnahme ausgegraben. Da man es aber kaum schafft, dabei alle Wurzeln komplett zu entfernen, wachsen die Pflanzen oftmals wieder nach.

Bei Neozoen kommt es häufig vor, dass andere Tiere zur Bekämpfung von ihnen ausgesetzt werden. Dies hat allerdings zur Folge, dass sich die neue Art ebenfalls etablieren kann.

Somit sind dringend neue Maßnahmen erforderlich, um mit Neobiota umzugehen! 


Dieser Text ist im Rahmen des FÖJ-Jahrganges 2017/18 von Lena Kwapulinski erstellt worden.

Ihr Ansprechpartner

Tobias Langguth

Naturschutz & Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail schreiben Tel.: 0431 66 060-51

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