Biodiversitätsschutz ein Fiasko: Politik muss Konsequenzen ziehen

16. Juni 2023 | Flächenverbrauch, Klimawandel, Landespolitik, Lebensräume, Nachhaltigkeit, Naturschutz

Zur aktuellen Diskussion um die Wertbiotop-Kartierung des Landes „Inventur der Natur“ kommentiert unsere Biodiversitäts-Referentin Bini Schlamann

 (Pixabay)

Zur aktuellen Diskussion um die Wertbiotop-Kartierung des Landes „Inventur der Natur“ sagt Bini Schlamann, Referentin für Agrar- und Biodiversitätspolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Landesverband Schleswig-Holstein e. V.:

„In weniger als 30 Jahren wurden in Schleswig-Holstein rund die Hälfte der gesetzlich geschützten Biotope beseitigt. Wie kann so etwas passieren? Damit sägen wir an dem Ast, auf dem wir sitzen: Beim Biodiversitätsschutz geht es nicht um eine einzelne Libelle – es geht um das Überleben aller Lebewesen!

Wir Menschen sind ein Teil davon. Unsere Nahrungsmittelsicherheit und unsere essenziellen Lebensgrundlagen sind in Gefahr: Unser Essen, unser Trinken, unsere Gesundheit. 75 Prozent unserer Medikamente sind natürlichen Ursprungs! Dabei verstärken sich Klima- und Biodiversitätskrise gegenseitig. Das Verschwinden der Lebensräume und Arten macht die Biosysteme wesentlich anfälliger für die Auswirkungen der Klimakrise.

Noch vor einem Jahr haben die Umwelt-Verbände die Vorlage der Biodiversitätsstrategie als hoffnungsvollen Weg in die Zukunft betrachtet und entsprechende Anstrengungen begrüßt. Die Strategie hat als Basis jedoch die Daten der letzten Biotop-Kartierung – und nicht die katastrophalen der aktuellen! Die Daten liegen seit Dezember 2022 vor: Die Politik muss jetzt die Maßnahmen nachschärfen und überarbeiten. Sie muss sicherstellen, dass geltendes Recht endlich umgesetzt wird! Der Naturschutz muss mehr in die Fläche kommen und alle Maßnahmen schnellstmöglich und mit ausreichend Personal umgesetzt werden. Auf keinen Fall darf man die „Statistik auf Null“ setzen. Das heißt: Wir müssen sowohl die Flächen, die seit der erstmaligen Erfassung in den 80er Jahren verschwunden sind, schnellsten wiederherstellen und davon ausgehend weitere Biodiversität ausbauen. Keinesfalls darf mit den jetzt festgestellten Zahlen als Basiswert weitergearbeitet werden. Nur mit massiven Investitionen können wir unsere Lebensgrundlagen wiederherstellen und zukunftssicher gestalten.

Es gibt kein Business as usual – wir müssen jetzt handeln, und nicht erst wenn die letzten 50 Prozent tot sind.“

Kontakt für weitere Informationen

Bini Schlamann
Dipl. Ing. (FH) Landschaftsnutzung und Naturschutz
Referentin für Agrar- und Biodiversitätspolitik
Mobil: 0176 603 652 96
Mail: bini.schlamann(at)bund-sh.de 

Pressekontakt

Martina Gremler
Tel. 0179 2630518
Mail: martina.gremler(at)bund-sh.de

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