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BUND-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Der richtige Baumschnitt macht den Unterschied

Warum müssen Obstbäume beschnitten werden?

Um eine optimale und langfristige Pflege der Streuobstanlagen gewährleisten zu können, muss man sich neben der korrekten Pflanzung und der Sortenwahl auch mit dem richtigen Beschnitt der Bäume beschäftigen. Dieser ist notwendig, damit die Bäume ihr natürliches Potential möglichst voll ausschöpfen können und lange vital und stabil sind. Gut gepflegte Obstbäume können ein Alter von über 100 Jahren erreichen und bis zuletzt äußerst schmackhafte Früchte tragen. Schlecht gepflegte Obstbäume vergreisen früh und sind anfälliger für Krankheiten.

Ob und wie ein Baum gepflegt werden muss, hängt von einigen Faktoren ab, die im Vorfeld abgeklärt werden müssen. Zumeist geschieht dies in Form einer sogenannten Baumansprache. Handelt es sich um einen jungen, ausgewachsenen oder abgängigen Baum? In welchem Zustand befindet sich die Fläche unter den Bäumen? Wie sieht die Krone aus und welches sind die Leitäste? Liegt ein Schädlingsbefall vor? Liegt durch ausgebliebene Pflege ein Notfall vor und wenn ja, was tue ich dann? Dies sind nur ein paar Fragen, die man sich als angehende*r Baumpfleger*in stellen sollte. 

Die Jungbaumpflege

Jungbäume bedürfen in den ersten 10 bis 15 Jahren einer bestimmten Art des Beschnitts: dem Erziehungsschnitt. Dieser zielt nicht primär auf eine Ertragssteigerung ab, sondern auf einen stabilen und zweckmäßigen Aufbau der Krone. Durch einen jährlichen Schnitt wird das Wachstum der Krone besonders angeregt. Erfolgt kein Schnitt, altern die Bäume vorzeitig, da sie direkt in die Fruchtproduktion gehen und nicht vernünftig aufwachsen können. Der Erziehungsschnitt endet dann, wenn der Baum eine schöne (Öschberg-)Krone entwickeln konnte und ein Alter von etwa acht bis zehn Jahren erreicht hat. Dann ist auch ein jährlicher Schnitt nicht mehr notwendig, Pflegeeinsätze alle drei bis fünf Jahre sind dann durchaus ausreichend. Es findet zudem auch nur noch eine Auslichtung statt. In diesem Fall ist von einem Überwachungsschnitt die Rede.

Wird ein Baum neu gesetzt, so bedarf es meistens eines Pflanzschnitts. Hierbei werden die Leitäste um circa ein bis zwei Drittel ihrer Länge eingekürzt.  

Die Altbaumpflege

Alte Obstbäume, die lange nicht mehr behandelt wurden, bedürfen häufig einer aufwändigeren Pflege. Durch ausbleibende Schnitte verdichten sich die Kronen, die Früchte verkleinern sich deutlich und der Baum beginnt vorzeitig zu vergreisen. Um dem entgegenzuwirken, sind Verjüngungsschnitte unabdingbar. Durch diesen sollen die Kronen so weit ausgelichtet werden, dass wieder Luft und Licht in den inneren Bereich vordringen können. Außerdem soll wieder ein Gleichgewicht zwischen den Leitästen und der Stammverlängerung entstehen. Dabei ist es wichtig, dass beim Einkürzen von Ästen, kleinere Äste die Ableitung übernehmen. Ansonsten kann der Baum mehr verletzt als gepflegt werden. Gerade bei sehr alten Bäumen sollte die Krone nicht komplett ausgelichtet werden, da sonst der Baum mit der Ausbildung vieler Wasserschosse reagiert. Will man das Wachstum besonders fördern, bietet sich der Schnitt im Winter an. Andersherum mindert ein Beschnitt im Sommer den Aufbau, insbesondere die Zahl an Wasserschossen reduziert sich deutlich.

Was sonst noch beachten ist

Befestigung von Obstbäumen mit Pfählen (Quelle: Pixabay)

Neben dem Beschnitt eines Baumes gibt es noch weitere Faktoren, die die Gesundheit von Obstbäumen beeinflussen können. Dazu gehört die ordnungsgemäße Instandhaltung der Flächen unter den Bäumen. Gerade bei jungen Bäumen muss die sogenannte Baumscheibe, also die Fläche unterhalb der Baumkrone, von Grasbewuchs freigehalten werden, damit die Pflanzen nicht in eine Konkurrenz um Nährstoffe geraten. Außerdem ist je nach äußeren Bedingungen auf eine ausreichende Wässerung beziehungsweise zusätzliche Düngung des Baumes zu achten. Ebenso wichtig ist es, bei jungen Obstbäumen die Anbindung regelmäßig zu kontrollieren. Im Wachstum können diese schnell zu klein werden und den Baum im Wachstum behindern. Auch Stricke aus organischen Materialien können in feuchteren Gebieten nicht richtig trocknen und Pilzbefälle provozieren und sollten daher gegebenenfalls ausgetauscht werden. Andere Probleme können zusätzlich durch einen Mistelbefall und durch diverse Baumkrankheiten entstehen. Wird die Obstwiese beweidet, muss ein Schutz vor Verbiss an den Stämmen befestigt werden.

Weitere Informationen

Eine detailliertere und teilweise bebilderte Erklärung mit all diesen Informationen und noch mehr findet man im "Handbuch Streuobstwiesenpraxis" auf der Webseite des BUND Niedersachen im Projekt "Streuobstwiesen in Niedersachsen".

Weiterführende Literatur:

 

  • Markus Zehnder und Friedrich Weller: "Streuobstbau", 2. Auflage (ISBN: 978-3-8001-7601-4)

  • Hans W. Riss: "Obstbaumschnitt in Bildern" (ISBN: 978-3-8759-6045-7)

  • Alexander Vorbeck: "Pflanzung und Pflege von Streuobstbäumen - Naturgemäßer Obstbaumschnitt für die Praxis" (Siehe hier)

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