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BUND-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Nistplätze schaffen

Viele natürliche Nistmöglichkeiten sind in der heutigen Zeit Mangelware geworden. Um Wildbienen im Siedlungsraum zu fördern, lassen sich an geeigneten Stellen künstliche Nisthilfen aufstellen, in denen ihr Nachwuchs geschützt heranwachsen kann.

Ein Zuhause für Wildbienen & Co.

Oft werden künstliche Niststätten fälschlicherweise als "Bienenhotels" bezeichnet. Dieser Begriff ist irreführend, da die Wildbienen nicht nur einige Tage dort übernachten, sondern sich ihre Nachkommen hier über mehrere Wochen oder Monate entwickeln. Solche künstlichen Nisthilfen für Wildbienen und solitäre Wespen sind ein Ersatz für in der Natur vorkommende Nistplätze und imitieren natürliche Niststrukturen wie leere Käferfraßgänge in alten oder abgestorbenen Bäumen. Sie lassen sich mit wenig Aufwand in unterschiedlichsten Varianten und Größen bauen, sind an vielen Orten einsetzbar und werden von März bis September in der Regel sehr schnell angenommen.  

Natürliche Niststätten bevorzugt

Natürliche Nistplätze wie diese Steilküste an der Ostsee sind aufgrund ihrer Komplexität und Ursprünglichkeit wertvoller als künstlich geschaffene Niststätten. Foto: B. Pankau

Künstliche Nisthilfen dürfen nicht als Alibi für die Zerstörung von natürlich vorkommenden Niststätten dienen, da sie den Verlust von komplexen Lebensräumen nicht ausgleichen können. Zudem kann man mit den handelsüblichen „Insektenhotels“ nur einige oberirdisch nistende Arten erreichen. Der Großteil der Wildbienen, rund zwei Drittel aller Arten in Deutschland, nistet jedoch im Erdboden. Künstliche Nistplätze bieten aber eine gute Möglichkeit für  Naturbeobachtungen. Insbesondere in der Umweltbildung können anhand von Nisthilfen Zusammenhänge in der Natur erklärt sowie Kinder und Erwachsene für ihre friedlichen Bewohner begeistert werden. 

Einige Anregungen zur Schaffung von Nistplätzen

  • Die am einfachsten zu bauenden Modelle für  hohlraumbewohnende Arten lassen sich aus Holz oder hohlen Pflanzenstängeln herstellen.
  • Manche Arten bevorzugen markhaltige Pflanzenstängel zum Beispiel von Holunder, Distel oder Brombeere, in die sie selbst Brutzellen nagen. Belassen Sie verblühte Stauden im Winter vor Ort. Alternativ können Sie einzelne markhaltige Stängel abschneiden und senkrecht an einer sonnigen Stelle anbringen.
  • Künstliche Ministeilwände oder Lehmwände, zum Beispiel von alten Fachwerkhäusern, bieten Ausweichquartiere für Arten, die in der Natur vertikale Bodenstrukturen wie Abbruchkanten besiedeln.
  • Für die große Gruppe der Wildbienenarten, die ihre Nester im Erdboden anlegen, kann man kleine Sandhaufen aufschütten oder unbenutzte Sandkisten und Hochbeete umfunktionieren. Auch die Fugen von unbefestigten Gartenwegen werden gerne angenommen.  

Bauanleitung für oberirdische Nisthilfen

  • Nehmen Sie ein Stück Holz und bohren Sie mindestens 10 cm tiefe Löcher hinein.
  • Achten Sie bei der Auswahl des Holzes darauf, dass Sie abgelagertes, unbehandeltes Hartholz verwenden (z.B. Eiche, Buche oder Obsthölzer; kein Nadelholz). 
  • Die Löcher sollten einen Durchmesser von 2 bis 10 mm aufweisen (bevorzugt: 3 bis 8 mm Durchmesser) und nicht zu dicht aneinander liegen (Abstand: ca. 2 cm).
  • Bohren Sie die Löcher in das Längsholz (also dort, wo mal die Rinde war) und nicht in das Stirnholz, damit keine Risse entstehen.
  • Um Verletzungen vorzubeugen, müssen die Holzsplitter mit Schleifpapier entfernt werden.
  • Alternativ zu Holz können auch hohle Pflanzenstängel (Bambusröhren oder Schilfhalme) waagerecht gebündelt in Holzkästen oder leeren Blechdosen angeboten werden. 

Allgemeine Tipps zu Nisthilfen

Nistplätze sollten immer in Kombination mit blütenreichen Nahrungsquellen angeboten werden, da viele Wildbienen nur einen eingeschränkten Flugradius von wenigen hundert Metern besitzen.

  • Stellen Sie die Nisthilfe möglichst sonnig und windgeschützt auf.
  • Bringen Sie die Nisthilfen fest, regengeschützt und trocken an, zum Beispiel unter einem Dachüberstand.
  • Belassen Sie die Nisthilfen ganzjährig (auch im Winter!) im Freien.
  • Achten Sie darauf, dass keine Pflanzen die Nisthilfen überwuchern und die Eingänge versperren.
  • Zum Schutz vor Vögeln kann man die fertige Nisthilfe mit einem Draht versehen, welcher mit einer Schnabellänge Abstand angebracht werden sollte.
  • Kombinieren Sie das Nistplatzangebot mit abwechslungsreichen Nahrungsquellen.  

Häufige Fehler

Die Graphik macht deutlich, welche Nistmaterialien für Wildbienen sinnvoll sind (Grün) und dass Stroh, Rinde, Tannenzapfen und Lochziegel (Rot) ungeeignet sind.

Es ist erfreulich, dass Nisthilfen heutzutage leicht in Bau- und Gartenmärkten zu beschaffen sind. Leider sind jedoch viele dort erhältliche Modelle als Nistplatz für Wildbienen völlig ungeeignet. Häufig sind diese im Handel erworbenen künstlichen Niststätten zwar hübsch anzusehen, enthalten aber sinnlose, lediglich platzfüllende Materialien. Dazu gehören Tannenzapfen, Stroh und lose Rinde. Hinzu kommen unsauber verarbeitete Bohrlöcher im Holz, die oft nur einen einzigen Durchmesser aufweisen. Daher bietet es sich an, eigene Nisthilfen zu bauen. Wie einfach dies ist, zeigen unsere obigen Anleitungen.

Von allzu großen Nistwänden sollte besser abgesehen werden, auch wenn die eigentliche Intention, damit möglichst vielen Arten bzw. Individuen zu helfen, sicherlich gut gemeint ist. Parasiten haben in überdimensionierten künstlichen Nisthilfen leichtes Spiel. Besser ist es, mehrere kleine Nisthilfen im Garten oder auf dem Gelände zu verteilen. Am besten natürlich in unmittelbarer Nähe zu insektenfreundlichen Pflanzen.

Ihre Ansprechpartnerin

Ann Kristin Montano

Öffentlichkeitsarbeit & Naturschutz
E-Mail schreiben Tel.: 0431 66 060-40

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