Dannauer See und Umgebung

Naturschutzgebiet Dannauer See und Umgebung

Das Naturschutzgebiet Dannauer See und Umgebung ist ein relativ überschaubares Areal (circa 40 Hektar) im Kreis Plön und hier im „Naturpark Holsteinische Schweiz” gelegen. Dem Naturfreund zeigt es sich in bescheidener Schönheit und lädt ein zu Ruhe und Beschaulichkeit; einem aufmerksamen Kenner von Flora und Fauna bietet es Bemerkenswertes in ausreichendem Maße. Für die kleine, angrenzend gelegene Gemeinde Dannau ist der See das landschaftliche Highlight und liegt allen Bewohnern ganz besonders am Herzen.

Der flachgründige Dannauer See ist mit seinen umgebenden Schilfgürteln, Bruchwaldsäumen und Feuchtwiesen eingebettet in eine typische Moränenlandschaft und weist südlich eine bewaldete Kuppe auf. Diese diente in frühgeschichtlichen Epochen als Insel innerhalb eines weitläufigeren See- und Sumpfgebietes den damaligen Bewohnern als sichere Zuflucht und lässt heute noch Relikte alter Flächennutzungen erkennen. Ein großzügig geführter Rundweg führt vorbei an extensiv beweidetem Grünland über den Gewässerauslauf mit regelmäßiger Beobachtungsmöglichkeit von Ringelnattern, vorbei an Wiesenhügel und naturnahen Gewässerschlaufen durch einen nahezu geschlossenen Weidentunnel zu Altbaumbestand mit Spechthöhlen und reichen Habitatstrukturen. Auf der anderen Seite des Waldes setzt sich der Rundweg durch eine Feuchtwiesenaue mit altem Weidenbestand weiter fort und führt schließlich in einem Redder in den besiedelten Bereich der Gemeinde zurück. Hier leitet ein Stichweg zu dem großen Naturerlebnissteg mit einem großartigen Panorama der Seeumgebung und bietet eine gute Beobachtungsmöglichkeit für den gelegentlich hier jagenden Seeadler. Hier sind auch sich weitgehend der Selbstentwicklung überlassene Sumpfdotterblumen, Kuckucks-Lichtnelken, Sumpf-Iris und andere Pflanzen, vereinzelt auch heimischen Orchideen, zu sehen. Nach Jahrhunderten der Nährstoffeinträge aus den angrenzenden Siedlungen und der umgebenden Landwirtschaft verfügt der heutige See und seine Umgebung über ein ungeheures Deponat; diese Eutrophierung (Nähr- und Schwebstoffeinträge aus Luft und Boden) führt zu einem Zuwuchern der Seeufer und bei sommerlichen Bedingungen zu einem ‚Umkippen’ seiner besonnten Flachwasserlagen. Das Schicksal eines jeden Sees – zu altern und zu verlanden – ereilt einen Flachsee weitaus früher als tiefgründige Seen. So ist auch die Wasserfläche des Dannauer Sees (circa 17 Hektar, bei einer Durchschnittstiefe von etwa 1,50 Meter bei Maximalwasserstand) im Laufe der letzten Jahrzehnte infolge von Eutrophierung zunehmend eingeengt. Heute führen die Siedlungsabwässer natürlich nicht mehr in den See sondern in die Kläranlage am Westrand. Hier verläuft auch der Scharweg, der eine historische alte Straßenverbindung erkennen lässt, lange bevor moderne Autostraßen gebaut wurden.

Seine kompakte, weitgehend kreisrunde Form kennzeichnet den Dannauer See als klassischen Toteis-See. Solche Seen entstanden während der letzten Eiszeit. Beim Abschmelzen der Gletscher wurden stellenweise große Eisblöcke von Schluff, Sand oder Kies überdeckt. Nach dem vollständigen Abtauen dieser Toteisblöcke blieben wassergefüllte Hohlformen zurück. Diese kleinen Seen sind heute noch vorhanden oder haben sich zu Niedermooren bzw. Hochmooren entwickelt.

Die Wasserfläche des Dannauer Sees ist im Laufe der letzten Jahrzehnte deutlich geschrumpft. Einziger und wesentlicher Frischwasserzulauf war der Krausbach oder auch Krusbek genannt. Dieser wurde jedoch aus Entwässerungsgründen in früherer Zeit an der Seeniederung südlich vorbei geführt und markiert heute die Grenzlinie zu dem Truppenübungsplatz Hohensasel. Es war eine frühe gemeinsame Entscheidung und Maßnahme der Naturschutzgebietsbetreuung, die Krusbek wieder in den See umzuleiten, um die dringend benötigte Frischwasserzufuhr wiederherzustellen. Der Zulauf kommt zwar aus einem Hinterland mit landwirtschaftlich genutzten Flächen, passiert danach jedoch die nicht-bewirtschaftete Landschaft des Truppenübungsplatzes unter Einbeziehung von Wasser aus einem hier gelegenen größeren Flachteich – also eine gute Fließstrecke durch Bruchwald und Wiesen, bis er endlich im Weidengebüschsaum auf der Ostseite des Dannauer Sees einmündet.
Leider hat diese Frischwasserzufuhr auch bisher die Verbesserung der Wasserqualität nicht in dem erhofften Ausmaß bringen können, zu mächtig ist die Nährstoffmenge, die sich in früheren Epochen im Seegrund ansammeln konnte. Auch die allgegenwärtig über den Luftweg emittierten Stoffe geraten unverändert in das Gewässersystem, aber eine weitergehende erhebliche Verschlechterung konnte zumindest abgefangen werden.

Fauna

Wenn man in Ruhe seinen Weg um den See macht und an verschiedenen sich anbietenden Beobachtungsplätzen verharrt, kann man mit etwas Glück den schnellen Eisvogel und das seltene Braunkehlchen erspähen. Sprosser, Sumpfrohrsänger oder Gartengrasmücke sind zu hören und verschiedene Spechtarten sind regelmäßig in ihrer Brutzeit in den alten Baumstämmen auf der Waldinsel beim Füttern der Jungtiere an ihren Bruthöhleneingängen zu beobachten. Natürlich ist es ein eindrucksvolles und nachhaltiges Erlebnis, den majestätischen Flug eines Seeadlers bei seinen gelegentlichen Besuchen zu beobachten.

Im Rahmen einer ersten faunistischen Bestandserfassung konnten im Gemeindegebiet Dannau 84 Vogelarten nachgewiesen werden, davon 73 als Brutvögel, wobei das Artenspektrum des Naturschutzgebietes noch unberücksichtigt blieb. Dass der Dannauer See ein beliebter Nist- und Lebensraum heimischer Wasservögel und seltener Jahresgäste ist, liegt nahe; es muss aber auch erwähnt werden, dass in den letzten zehn Jahren vermehrte Gänsemengen, dabei auch sich ausbreitende Kanadagänse, nicht ganz unschuldig am Verschwinden aller Schwimmblatt- und Unterwasserpflanzen sein dürften. War dieser sich ausdehnende Wasserpflanzensaum vor über 20 Jahren noch ein auffälliges Merkmal, so ist hiervon heute nichts mehr zu sehen. Auch die ursprüngliche Vielzahl an Fischen hat im gleichen Zeitraum drastisch abgenommen.

Für Interessierte an Amphibien bildet die südöstlich an das Naturschutzgebiet anschließende Weidelandschaft zwischen Hochlandrindern mit zahlreichen hier geschaffenen Amphibiengewässern vor allem zur Zeit der Unkenrufe der Rotbauchunken ein besonderes akustisches Erlebnis. An den Auslaufarmen des Sees können im Sommer häufig flirrende, buntschillernde Libellen in der Sonne beobachtet werden. Auf dem Rückweg nach Dannau kann bei ruhigem Spaziergang Fitislaubsänger, Zilp-Zalp und Buchfinkn gelauscht werden.

Am Knickweg sowie Wiesen- und Waldpfad können Großtiere wie Hase, Reh- und Damwild den Spaziergänger nicht selten den Weg kreuzen und den Wildschweinen wird nachgesagt, dass sie im Schilf an unerreichbaren Orten auf von ihren selbst zusammen geschobenen Haufen bzw. Inseln tagsüber in der Sonne dösen, um dann nachts in umgebenden Maisfelder oder unter Eichen ihre Nahrung zu suchen. 

Flora

Knickweg sowie Wiesen- und Waldpfad sind gesäumt von einer beachtlichen Pflanzenvielfalt. Auch findet man ausgeprägte See- und Teichrosenfelder mit ihren weißen und gelben Blüten nicht im See, sondern in den südlich angrenzend gelegenen Gewässerarmen. Diese sind nicht Relikte eines mäandrierenden Flusses sondern einer hier lange vor der Naturschutzgebietsausweisung versuchten Anlage eines privaten Angelteiches. An dessen Rändern und den hier gemächlich zusammenkommenden Auslaufarmen des Sees verleihen Blutweiderich, Mädesüß und Wasser-Schwertlilien dem Schilfgürtel Farbe.

Imposante Gräserhorste der Stuhlsegge stehen wie kleine Urtiere in Reihen an den Gewässerrändern und im zeitigen Frühjahr konnten echte Primeln wieder nach und nach an den Rändern des durch Mahd von übermäßigem Brennnnessel- und Diestelbewuchs befreiten Wiesenhügels ihr Vorkommen wiedererlangen. 

Schutzsituation

Ein Betreten des Schutzgebietes ermöglicht und steuert vor allem der Wanderweg, der den See in weitem Bogen umrundet und an den historischen Scharweg anbindet. Auf diesem erreicht man, nach Süden gewandt, auf altem Pflaster Rantzau in der Kossauniederung. In nördlicher Richtung führt der Weg unter altem Baumbestand nach Dannau.

Erwähnt sei noch, dass einzelne Stichwege vom genannten Rundkurs abzweigen und zu besonderen Beobachtungspunkten in der Wildnis der näheren Umgebung des Naturschutzgebietes führen.

Somit spielt sich ganzjährig ein reges Leben um die Seefläche und die sehr vielfältigen umgebenden Biotopkomplexe ab und jeder Rundgang um den See bietet immer wieder neue Überraschungen und Einsichten in die Naturlandschaft. 

Öffentlichkeitsarbeit

Immer wieder werden Führungen für interessierte Personengruppen oder im Rahmen der Naturparkveranstaltungen (Naturpark Holsteinische Schweiz) organisiert. Neben den grundlegenden Informationstafeln aller Naturschutzgebiete als Übersicht befindet sich im Verlauf des Rundweges eine Reihe spezifischer Informationen. Einen guten Einblick vermittelt auch ein Faltblatt, das vom für zentrale Öffentlichkeit und Fachbetreuung der Naturschutzgebiete zuständigen Landesamt für Natur, Umwelt und ländliche Räume in Flintbek (LLUR) herausgegeben wird. Daneben besteht noch ein älteres Faltblatt, das vor Jahren aus der Arbeit der Betreuungsgruppe mit der Gemeinde erstellt wurde.

In unregelmäßigen Abständen werden in der Gemeinde auch Informationsabende mit externen Gastreferenten organisiert oder politisch auf Landesebene verantwortliche Entscheidungsträger vor Ort informiert.

Das kleine Naturschutzgebiet zeigt in verschiedener Hinsicht geradezu mit verkleinertem Modelcharakter typische Naturschutzprobleme und Chancen der Bewältigung auf, wenn denn alle Beteiligten wie hier an einem Strang ziehen.

Immer wieder kommen auch Redakteure von Zeitungen oder Radiosendern gerne nach Dannau und so wurde auch bereits – einmalig für Schleswig-Holstein – in der Reihe „Frühkonzerte aus der Natur“ anstelle von an jenem Morgen ausgerechnet verstummten Vogelstimmen „das Rascheln der Ringelnattern am Auslaufstau des Dannauer See“ live über den Sender übertragen.

Die Betreuung findet in Zusammenarbeit mit dem örtlichem Verein Natur-, Fisch- und Vogelfreunde Gemeinde Dannau e.V. statt. 

Eckdaten

  • Größe: 40 Hektar
  • Ausweisung: 20.04.1993 

Ansprechpartner

Dr. Florian Liedl


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