Mehr über Grünland

Grünland – das sind die Wiesen und Weiden unserer schleswig-holsteinischen Kulturlandschaft. Indem wir Menschen es mähen oder beweiden lassen, erhalten und entwickeln wir das Grünland. Grünlandnutzung ist traditionellerweise mit Tierhaltung verbunden, denn Grünland liefert das Futter für die Weidetiere. Im Gegensatz zum Acker wird der Boden des Grünlands nicht jährlich bearbeitet. Flächen des Dauergrünlands dürf nicht zu Ackerflächen umgewandelt werden.

Weltweit gibt es ca. 3 Milliarden Hektar Dauergrünland. Es werden über 60 Prozent der als Futtermittel verfügbaren Pflanzenmasse auf diesen Standorten erzeugt.

Sogenanntes extensives – also naturfreundlich bewirtschaftetes – Grünland gehört zu den artenreichsten heimischen Lebensräumen. Es wird entweder höchstens zwei Mal pro Jahr gemäht oder aber extensiv beweidet. Je weniger, desto besser – so die einfache Formel für Wiesenschaumkraut, Libelle und Co.

Über ein Drittel aller heimischen Farn- und Blütenpflanzen haben ihr Hauptvorkommen im Grünland. Bei den gefährdeten Arten sind es sogar rund 40 Prozent – das entspricht 822 Arten.

Grünland speichert Kohlenstoff

Grünland ist einer der wichtigste natürliche Kohlenstoffspeicher! Mit weltweit 588 Milliarden Tonnen speichert das Grünland fünfmal mehr Kohlenstoff als Ackerland – und liegt somit auf Platz zwei direkt nach Feuchtgebieten und Mooren. Je umfangreicher das Bodenleben ist und je mehr Humus aufgebaut wird, desto mehr CO2 speichert er. Damit der Kohlenstoff dauerhaft im Boden verbleibt, sind schonende Bewirtschaftungspraktiken essenziell: Beispielsweise das Vermeiden von Verdichtungen und die Pflege der mikrobiellen Biomasse.

Grünland als biologischer Klimaschützer in Schleswig-Holstein

Artenreiches Grünland auf Föhr (Foto: Angela Ottmann)

In Schleswig-Holstein werden 60 Prozent der Fläche landwirtschaftlich genutzt. Damit ist der Echte Norden das Bundesland mit der größten Landwirtschaftsfläche in Deutschland. Die Treibhausgasemissionen aus der Landnutzung sind in Schleswig-Holstein dementsprechend groß. Sie werden in den Emissionsberichten unter dem Sektor „LandUse, LandUseChance and Forestry“, kurz LULUCF berichtet. Die Gesamtemissionen von 4,9 Millionen Tonnen Kohlenstoffäquivalent* aus Grünland teilen sich wie folgt:

  • 2,5 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente (Emissionen aus Grünland)
  • 1,9 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente (Emissionen aus Ackerland)
  • 0,4 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente (Emissionen aus Siedlungen und Feuchtgebieten)

Schaut man sich die Treibhausgas-Emissionen auf Grünlandflächen genauer an, wird schnell klar, dass Grünland auf organischen Böden Treibhausgase emittiert, auf mineralischen Böden hingegen speichert.

  • Grünland auf organischen Böden emittiert 3,1 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente. (Diese hohen Emissionen resultieren aus der Entwässerung der organischen Böden - siehe Moor).
  • Grünland auf mineralischen Böden speichert hingegen 0,6 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr und stellt damit eine Kohlenstoffsenke dar.

Im Jahr 2019 reduzierte mineralisches Grünland die Gesamt-Treibhausgas-Emissionen des Grünlands um etwa 18 Prozent. Es ist demnach eine CO2-Senke.

 

*Kohlenstoff-Äquivalente bzw. CO2-Äquivalente sind eine Maßeinheit zur Vereinheitlichung der Klimawirkung der unterschiedlichen Treibhausgase.

Artenreiches Grünland

Auf extensiven, mit Kräutern und Gräsern bewachsenen Wiesen und Weiden leben allein über 3.500 unterschiedliche Insektenarten. Bis zu einer Million Individuen sind auf einem Hektar Wiese beheimatet.  Eine einzige Wildpflanze im Grünland wird im Durchschnitt von zwölf Insektenarten besucht. Grünland ist ein Quell der Biodiversität.

Artenreiches Grünland verschwindet

Doch ist Schleswig-Holstein trauriger Spitzenreiter im bundesweiten Grünlandverlust – denn der Lebensraum schwindet drastisch!

Von 1950 bis 2014 sind 34 Prozent der Grünlandfläche (1.640 Quadratkilometer) durch Flächen-Umnutzung verloren gegangen.

Die extensive Grünlandwirtschaft hat über Jahrhunderte unsere heimatlichen Landschaften geprägt. Wer sich noch an die vielen artenreichen Weiden und Wiesen erinnern kann, wird die Dimension des Artensterbens erahnen. Die biologische Vielfalt ist durch die intensive Landwirtschaft stark gefährdet. Mehr Nährstoffe auf einer Weide oder Wiese bedeuten weniger Artenvielfalt!

Weit über die Hälfte der heimischen Insektenarten in Schleswig-Holstein ist bedroht oder bereits ausgestorben!

Viel zu oft herrschen eintönig grüne, intensive Silagewiesen oder Intensivweiden vor. Viele Landwirt*innen (auch ökologisch wirtschaftende) neigen dazu, früh und viel zu mähen, so dass in der Hauptbrutzeit auch Bodenbrüter keine Chance haben. Alternativ zu einer Mahd bietet sich eine extensive Beweidung von Brut- und Schutzinseln an.

Auch Koniks können zur extensiven Beweidung eingesetzt werden. (Foto: Gerd Kämmer)

Mittlerweile besteht zwar eine kleine Tendenz zur Steigerung der Dauer-Grünlandflächen. Doch ist die Qualität des Grünlands katastrophal; nahezu alle Grünland-Lebensraumtypen sind in einem schlechten Erhaltungszustand. Längst sind auch Allerweltsarten gefährdet.

Hauptgründe des schlechten Zustands sind:

  • Umwandlung von Grünland in Acker
  • Vereinheitlichung der Standortbedingungen durch Entwässerung und Düngung
  • allgemeine Nutzungsintensivierung
  • frühere, häufigere und großflächigere Mahd
  • Einsatz von Pflanzenschutzmitteln (Pestizide) und Tiermedikamenten

Auch die Biotopkartierung „Die Inventur der Natur“ des Landes Schleswig-Holstein zeigt, dass sich die Fläche der Wertbiotope fast halbiert hat. Insbesondere die Fläche wertvoller Offenlebensräume hat dramatisch abgenommen. Wir haben dies öffentlich kritisiert.

Ihre Ansprechpartnerin

Bini Schlamann

Agrar und Biodiversität
E-Mail schreiben Mobil: 0176 60365296

Ihr Ansprechpartner

Ole Eggers

Landesgeschäftsführung
E-Mail schreiben Tel.: 0431 66 060-60 Mobil: 0178 63 50 719

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