Luftbild Stecknitz-Delvenau - Grünes Band
(Christian Kaiser)
Kiel. Das „Grüne Band“ wurde gleich nach dem Mauerfall auf Initiative des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) als zusammenhängender Biotopverbund erhalten. Einst der so genannte Todesstreifen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, zieht es sich jetzt als Lebensader aus Flüssen, Mooren und Trockenrasen von der Ostsee bis in den Bayerischen Wald. Doch die Lebensräume, die das Grüne Band bilden, sind noch immer kein zusammenhängendes Schutzgebiet, sondern ein Flickenteppich unterschiedlicher Schutzkategorien.
„Unser Ziel ist es, dass alle Bundesländer, die das Grüne Band durchläuft, es zum Nationalen Naturmonument erklären. In einem späteren Schritt kann es dann ein kombiniertes UNESCO-Weltkultur- und -naturerbe werden“, sagt Ole Eggers, Geschäftsführer des BUND-Landesverbands Schleswig-Holstein e. V. (BUND SH). „Aus Anlass des Tags der Deutschen Einheit am 3. Oktober appellieren wir an die Landesregierung, die finanziellen Mittel für eine entsprechende Machbarkeitsstudie in den Haushalt einzustellen, um den Dialogprozess vor Ort gezielt fortzuführen.“
Machbarkeitsstudie für ein Schutzgebiet? Ole Eggers erklärt: „Darin wird geklärt, welche kulturhistorischen und natürlichen Strukturen auf der westlichen Seite schützenswert sind. Im Westen gab es zwar keinen Todesstreifen, aber viele Gebäude und Anlagen aus der Zeit des Kalten Krieges und der deutschen Teilung, die ebenfalls erhalten und zugänglich gemacht werden sollen. Dazu kommen die wertvollen Naturgebiete der Delvenau-Niederung mit ihren Niedermooren, Sandmagerrasen und Talhängen.“
Das Naturschutzgebiet Delvenau-Niederung an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern wird vom BUND SH betreut. Es ist Teil des Projekts „Quervernetzung Grünes Band“, das aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert wird. Darin werden vernässtes Grünland, aufgelockerte Waldsäume und entbuschte Moore zu ökologischen Korridoren für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Davon profitieren zum Beispiel Kreuzotter und Kiebitz, Waldbirkenmaus, Orchideen, Arnika und Wildbienen. Außerdem tragen die Maßnahmen dazu bei, Wasser in der Landschaft zurückzuhalten.
Dazu sagt der BUND-Bundesvorsitzende Olaf Bandt: „Wir werden auch künftig an dem Schutz und der Ausweitung des Grünen Bands arbeiten. Denn angesichts der Tatsache, dass in Deutschland mehr als 70 Prozent und in Europa 80 Prozent aller geschützten Lebensräume in einem schlechten Zustand sind, täglich Tier- und Pflanzenarten verschwinden, Lebensräume zerstört oder zerschnitten werden, Böden versiegelt, Moore entwässert und Flüsse begradigt werden, ist das Grüne Band wie eine Arche Noah für die biologische Vielfalt, die es zu bewahren und zu stärken gilt.“
Hintergrund:
Das Grüne Band ist mit knapp 1.400 Kilometern der längste Biotopverbund Deutschlands. Es zieht sich entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze von der Ostsee bis ins bayerische Vogtland und ist Lebensraum von mehr als 1.200 seltenen und geschützten Arten sowie von über 5.000 Arten insgesamt. Der BUND hat dieses Naturschutzprojekt zusammen mit Naturschützer*innen aus Ost und West im Dezember 1989, wenige Woche nach dem Mauerfall, ins Leben gerufen. Denn schon damals war klar, dass viele Arten und Biotope im Schatten der Grenzanlagen ein Refugium gefunden hatten. Heute ist das Grüne Band als Nationales Naturerbe im Bundesnaturschutzgesetz verankert, auf mehr als 80 Prozent der Strecke als Nationales Naturmonument geschützt und eine wichtige kulturelle Erinnerungslandschaft. Seit 2024 steht es auf der deutschen Vorschlagsliste als UNESCO Welterbe. Dennoch gilt es weiterhin Lücken zu schließen, Flächen zu sichern und den Biotopverbund zu erweitern.
Das Projekt Quervernetzung Grünes Band wird bis Ende 2025 mit 4,7 Millionen Euro im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Die fünf Vernetzungsgebiete sind: die Region der Delvenau zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, die Landgraben-Dumme Niederung in Sachsen-Anhalt, das Thüringer Schiefergebirge, der bayerische Landkreis Rhön-Grabfeld sowie – am Grünen Band Europa – der Innere Bayerische Wald an der Grenze von Bayern und Tschechien.
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