Kiel /Neumünster. Vier neue Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von mehr als 1.000 Hektar (ha) will die schleswig-holsteinische Landesregierung noch in der aktuellen Legislaturperiode ausweisen. Diesen Beschluss verkündete Umweltminister Tobias Goldschmidt während des schleswig-holsteinischen Naturschutztags, einer Konferenz mit über 1.000 Teilnehmenden in Neumünster. Die Naturschutzverbände BUND SH, LNV SH und NABU Schleswig-Holstein haben diese Nachricht mit großer Freude aufgenommen.
„Vier Naturschutzgebiete sind nicht nur 1.000 Hektar Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Es sind auch 1.000 Hektar mehr für eine schönere Landschaft, für gesunde Lebensbedingungen und für mehr Naherholung“, freut sich Alexander Schwarzlose, Landesvorsitzender des NABU Schleswig-Holstein. „Das voranschreitende Artensterben resultiert vor allem daraus, dass vielen Arten die Lebensräume entzogen worden sind und weiterhin entzogen werden. Die Schaffung neuer Naturschutzgebiete sichert Lebensräume und ist damit eine elementare Maßnahme im Kampf gegen das Artensterben.“
Die vier geplanten Schutzgebiete sind der Winderatter See bei Flensburg, das Hasenmoor bei Bad Bramstedt, das Wittmoor bei Duvenstedt/Lemsahl-Mellingstedt und das Moor Südlich Hövede und Tielenau-Tal im Kreis Dithmarschen. Dass es sich hauptsächlich um Moore handelt, erklärt sich damit, dass Moore wahre Hotspots der Artenvielfalt sind. Viele moortypische Arten, die an die extremen Bedingungen im Moor angepasst sind, sind stark gefährdet. Überdies wirken Moore als natürliche Kohlenstoffsenken dem Klimawandel entgegen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zu sauberem Trinkwasser und puffern die Folgen von Dürren und von Hochwassern ab.
„Für den Schutz unserer Lebensgrundlagen, vor allem für unsere Trinkwasser-Reserven und für den Klimaschutz, ist die Moorvernässung unerlässlich. Hier hat Schleswig-Holstein schon viel erreicht, und es ist gut, dass nun weitere Moorgebiete unter Schutz gestellt werden“, sagt Christof Martin vom LNV SH, merkt aber kritisch an, dass einige der angekündigten Naturschutzgebiete schon lange auf der To-Do-Liste der Landesregierung stehen: „Beim Winderatter See wurde schon vor Jahrzehnten angekündigt, dass er bald Naturschutzgebiet werden soll.“
Dietmar Ulbrich vom BUND SH stellt fest: „Täglich werden in Schleswig-Holstein 3,6 Hektar Fläche versiegelt, also mit Straßen, Parkplätzen, Gebäuden oder Anlagen überbaut und gehen der Natur damit unwiederbringlich verloren. Um diesen Verlust auszugleichen, müssten jedes Jahr mindestens 1.300 Hektar Fläche unter Schutz gestellt und durch Renaturierungsmaßnahmen aufgewertet werden.“
Ulbrich erinnert zudem daran, dass es nicht genügt, ein Gebiet unter Schutz zu stellen. „In den Naturschutzgebieten kommt es darauf an, geeignete Schutz- und Aufwertungsmaßnahmen zu ergreifen. Hier zeigen sich in der Praxis allzu oft Defizite, die die personell oft unterbesetzten Naturschutzbehörden nicht bewältigen können“.
Solche Aufwertungsmaßnahmen würden direkt zur Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung beitragen, an der die Bundesländer zurzeit arbeiten. Die EU-WVO war auch Thema des Naturschutztags Schleswig-Holstein. Der NABU hatte kürzlich die Ergebnisse seiner deutschlandweiten Befragung zur Bedeutung von Natur und Naturschutz präsentiert. Das Ergebnis: Im Land zwischen den Meeren hatten mehr als 87 Prozent der Befragten angegeben, dass sie es begrüßten, dass die EU 2024 die Verordnung zur Wiederherstellung der Natur erlassen hatte; knapp drei Viertel wünschten sich mehr politische Entschlossenheit bei der Umsetzung dieser Verordnung.
Hintergrund
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein e. V. setzt sich seit mehr als 40 Jahren für den Schutz unserer Erde ein. Seine Unterstützer*innen engagieren sich sowohl im Natur- als auch im Umweltschutz, von der Gentechnik über nachhaltige Mobilität bis zur Energiepolitik.
Der Landesnaturschutzverband Schleswig-Holstein e.V. (LNV SH) ist der im Landesnaturschutzgesetz verankerte Dachverband der Natur- und Umweltschutzverbände in Schleswig-Holstein. Er besteht seit 1975 und umfasst derzeit 26 Organisationen, die sich gemeinsam für den Schutz der wildlebenden Tiere und Pflanzen, ihrer Lebensgrundlagen und unserer Kulturlandschaft einsetzen.
Der NABU Schleswig-Holstein ist seit 1948 im Land zwischen den Meeren aktiv. Mit seinen mehr als 50 Ortsgruppen kümmert er sich um den Naturschutz vor Ort, engagiert sich für die Umweltbildung und bringt sich aktiv politisch ein. Ob Nordsee oder Moor, ob Landwirtschaft oder Fledermäuse – der NABU Schleswig-Holstein ist dabei.
Kontakt für weitere Informationen:
Naturschutzbund Schleswig-Holstein e.V. (NABU SH)
Eva Krautter
Pressereferentin
Tel: 01520 93 26 034
Mail: Eva.Krautter(at)NABU-SH.de
Bund für Umwelt und Naturschutz Schleswig-Holstein e. V. (BUND SH)
Sina Clorius
Pressereferentin
Tel: 0179 263 0518
Mail: sina.clorius(at)bund-sh.de
Landesnaturschutzverband Schleswig-Holstein e.V. (LNV)
Christof Martin
Stellvertretender Vorsitzender
Tel: 01577-5350403
Mail: info(at)lnv-sh.de