Wasser schützen – kein Dünger auf gefrorenen Boden!

09. Februar 2026 | Flüsse & Gewässer, Landwirtschaft, Landespolitik, Naturschutz, Wasser, Umweltgifte

+++ BUND SH: Düngung auf gefrorenem Boden gefährdet unsere Gewässer und Lebensräume +++ Trinkwasser schon jetzt mit Nitrat belastet +++ Neue Auslegung der Dünge-Verordnung ist Rückschlag für den Ostseeschutz +++

Traktor mit Düngehänger Traktor mit Düngehänger

Kiel. „Wenn man Gülle auf gefrorenen Boden ausbringt, ist das so, als würde man sie direkt in den Graben kippen!“ So der zugespitzte Kommentar von Bini Schlamann, beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein e. V. (BUND SH) zuständig für Agrar- und Biodiversitätspolitik. Sie reagiert damit auf eine neue Auslegung der Dünge-Verordnung durch das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium. Demnach gilt ein kurzfristig überfrorener Boden nicht mehr als gefroren, wenn er im Tagesverlauf auftaut. Damit wäre es zulässig, dort Dünger auszubringen.

„Das ist ein absolut unnötiges Geschenk an die Landwirtschaft. Wenn der Boden gefroren ist, kann Gülle nicht in den Boden einsickern und damit auch nicht die Wurzeln der Pflanzen erreichen, die bei niedrigen Temperaturen sowieso kaum Nährstoffe brauchen. So landet ein Großteil in den umliegenden Gewässern. Das ist dann keine Düngung mehr, sondern einfach Entsorgung und jenseits von jeglicher Effizienz“, erklärt Bini Schlamann. „Diese Maßnahme konterkariert außerdem den Aktionsplan Ostseeschutz!“ 

Schlamann verweist damit auf den 2024 veröffentlichten Plan zum Schutz der Ostsee, in dem es wörtlich heißt, dass die mittleren jährlichen Stickstoffeinträge aus dem schleswig-holsteinischen Binnenland im Ostsee-Einzugsgebiet um rund 2.000 Tonnen und die mittleren jährlichen Phosphoreinträge um rund 65 Tonnen verringert werden müssen. „Wie das erreicht werden soll, dazu bleibt die Landesregierung uns weiterhin eine Antwort schuldig.“

Der BUND betont außerdem, dass das Grundwasser in Deutschland im EU-Vergleich die zweithöchste Nitratbelastung aufweist. In Schleswig-Holstein sind über die Hälfte der Grundwasserkörper mit Nitrat belastet. Nitrat wird im Körper zu gesundheitsschädlichen Stoffen umgewandelt, die die Sauerstoffaufnahme im Blut hemmen und krebserregend sein können. Vor allem für kleine Kinder ist es gefährlich. Es muss deshalb unter großem Aufwand aus dem Trinkwasser entfernt werden. Der BUND fordert eine Verursacher-Gerechtigkeit bei den Kosten der Wasseraufbereitung.

Aus Sicht des BUND SH ist außerdem eine Bilanzierung der Nährstoffströme auf betrieblicher Ebene dringend notwendig, um die Nitratbelastungen nachhaltig abzusenken. 

Kontakt für weitere Informationen
Bini Schlamann

0176 60365296
bini.schlamann@bund-sh.de

Pressekontakt
Sina Clorius
0179 2630518 

sina.clorius(at)bund-sh.de 

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