BUND-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Folgen für Natur und Landschaft

Folgen für Natur und Landschaft

Versiegelte Flächen haben einen großen Einfluss auf das örtliche Mikro-Klima sowie den Wasserhaushalt  (Merlin Michaelis)

Boden und Bodenbedeckung

Böden sind eine endliche Ressource. Sie entstehen durch das Zusammenspiel von Gestein, Luft, Wasser und Lebewesen über Jahrhunderte. In einer Handvoll Boden leben oft mehr Organismen als es Menschen auf der Erde gibt. Einmal versiegelter Boden ist nur unter Einsatz von hohen Kosten wiederzubeleben. Bis sich eine gewisse Bodenqualität wieder herstellt, vergehen viele Jahrzehnte – auch danach bleibt die natürliche Struktur des Bodens gestört. Zurück bleiben aber Reste von Beton und Asphalt oder Schadstoffe.

Wasserhaushalt

Böden erfüllen viele wichtige Funktionen, die besonders für uns Menschen essenziell sind. Eine ist das Filtern von Wasser. Wenn Regenwasser langsam versickert, werden Schadstoffe abgebaut und Mineralien vom Wasser aufgenommen, bevor es im Boden als Grundwasser gespeichert wird. In Schleswig-Holstein wird Trinkwasser ausschließlich aus Grundwasser gewonnen. Die Grundwasserneubildungsrate verringert sich durch versiegelte Oberflächen. Außerdem fördern versiegelte Oberflächen, durch die geringe Versickerung, örtliche Überschwemmungen bei starken oder langanhaltenden Niederschlägen, da Wasser nur an der Oberfläche abfließen kann.

Klima

Asphalt und andere Baustoffe nehmen Hitze auf, die sie wieder abstrahlen. Dadurch erhöht sich die Lokaltemperatur.  (Jeroen Komen from Utrecht, Netherlands / Wikimedia Commons)

Eine besonders für das Klima relevante Funktion des Bodens ist die des Speichers. Böden haben das Potenzial, Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid, Methan und Lachgas aus der Luft zu binden und so diese Treiber des Klimawandels dem Kreislauf zu entziehen. Der Boden puffert und reguliert Wasser- und Energieflüsse. Die Verdunstung von Wasser aus Boden und Pflanzen trägt zur Abkühlung der bodennahen Luft und damit zu einem angenehmen Regionalklima bei. Durch die Versiegelung der Bodenoberfläche mit Beton oder Asphalt wird der Regen durch die Kanalisation abgeleitet und die Versickerung von Niederschlagswasser stark eingeschränkt oder gänzlich verhindert. Durch die daraus folgende fehlende Verdunstung entfällt der Kühlungseffekt der Böden und es findet eine verstärkte Aufheizung, eine Verringerung der Luftfeuchte und eine höhere Staubentwicklung statt.

Ein weiterer Faktor, der diese Folgen verstärkt, ist die geringe sogenannte Albedo. Das geringe Rückstrahlungsvermögen durch die dunkle Farbe des Asphalts, die viel Sonnenlicht absorbiert und wenig reflektiert, begünstigt den sommerlichen Hitzestau. Versiegelte Flächen sind als Standort für Pflanzen ungeeignet. Sie fallen dort als Wasserverdunster und Schattenspender aus. Um diese Folgen zu relativieren, sind städtische Grünanlagen von hoher Bedeutung. Besonders in dicht besiedelten Gebieten ist der Effekt der städtischen „Wärmeinsel“ nicht zu unterschätzen.

Landwirtschaftliche Fläche ist vom Flächenverbrauch doppelt belastet  (hpgruesen / Pixabay)

Landwirtschaft

Der Boden als Grundlage für die Produktion von Nahrungs- und Futtermitteln sowie von Rohstoffen wie Holz ist für den Menschen essenziell wichtig. Entsprechend geht wertvolle landwirtschaftliche Nutzfläche mit dem Versiegeln nachhaltig verloren. Die Landwirtschaft ist darüber hinaus in doppelter Weise betroffen: Neben dem Verlust von Nutzfläche durch den Neubau werden Ausgleichsmaßnahmen des Naturschutzes häufig auf landwirtschaftlich genutzten Flächen durchgeführt. Die Inanspruchnahme von Flächen für andere Zwecke führt in der Landwirtschaft zu einem immer höheren Zwang zur Intensivierung, mit allen unausweichlichen Folgen für Klima und Biodiversität.

Flora / Fauna

Auch auf Pflanzen und Tiere hat die Ausbreitung der Siedlungsräume und die damit einhergehende Versiegelung massive Auswirkungen: Rückzugsräume und ganze Lebensräume gehen verloren, Biotope und Populationen werden durch den Neubau zerschnitten. Dadurch werden diese isoliert und langfristig die genetische Vielfalt und damit auch die Fähigkeit zum Überleben beschränkt. Fernwanderwege von Tieren werden zerstört und auf den Straßen, die durch den Bau von Häusern in neu erschlossenen Gebieten nötig werden, weitere Tiere überfahren.

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