BUND-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Grüne Giftkeule im weihnachtlichen Wohnzimmer

08. Dezember 2021 | Landwirtschaft, Chemie, Naturschutz, Stadtnatur, Umweltgifte, Wälder

Pestizidbelastete Weihnachtsbäume schmücken jedes Jahr ein Drittel aller deutschen Haushalte. Der BUND Landesverband Schleswig-Holstein hat sich auf die Suche nach ökologisch möglichst unbedenklichen Christbäumen im Land gemacht.

Weihnachten heißt für die meisten Deutschen, dass ein geschmückter Baum das Zuhause erleuchtet. Rund 28 Millionen Weihnachtsbäume werden dafür jährlich „geerntet“. Die wenigsten Käufer denken aber über die Pestizidbelastung der angebotenen Bäume nach: In Schleswig-Holstein kommen mehr als 80 Prozent aus industriellen Weihnachtsbaum-Plantagen aus Dänemark. In diesen Kulturen werden bis auf wenige Ausnahmen Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger sowie Chemikalien zur längeren Haltbarkeit der Nadeln eingesetzt. Bezahlt wird das mit hohen Kosten für Mensch und Umwelt: 2020 hat der BUND stichprobenhaft 23 Bäume in einem unabhängigen Labor auf Rückstände von 140 Pestiziden testen lassen. Erschreckender Fakt: Mehr als die Hälfte der Bäume waren belastet, sieben der insgesamt neun Wirkstoffe gehörten zu den EU-weit gefährlichsten. BUND-Pestizidexpertin Corinna Hölzel stellt alarmiert fest: „Viele Weihnachtsbäume sind einem richtigen Pestizidcocktail ausgesetzt. Sie werden mit Fungiziden, Pestiziden und Herbiziden behandelt – dabei sind die Wechselwirkungen sowohl auf die Natur als auch auf die menschliche Gesundheit noch nicht ausreichend erforscht.“

Der Pestizideinsatz ist auf den Baum-Plantagen vor allem ein Problem für die Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt: Die Gifte gelangen in den Boden und ins Grundwasser, zerstören so Lebensräume und schädigen oder töten Bienen und andere Nützlinge. Neben dieser Form der Belastung ist auch der Flächenverbrauch massiv: Allein in Deutschland nehmen laut dem Statistischen Bundesamt die Monokulturen etwa 16.000 Hektar in Beschlag. Diese Flächen wären aus Sicht von Umweltschützern sehr viel besser für bleibende Wälder und Natur eingesetzt.

Wer dennoch eine grüne Tanne oder Fichte im Wohnzimmer stehen haben möchte, sollte einen Baum aus ökologischer Waldwirtschaft oder aus anerkannt ökologischen Weihnachtsbaumkulturen aus seiner Region kaufen. Dabei gibt es zwei Anbaumethoden: Nach den Kriterien des ökologischen Landbaus auf Plantagen und – zu einem aktuell noch sehr viel kleineren Anteil – aus ökologisch ausgerichtetem Waldbau.

Erschreckt von diesen Zahlen haben sich vier Freiwillige im Ökologischen Jahr beim BUND Landesverband Schleswig-Holstein auf die Suche nach den ökologischen Weihnachtsbäumen im Echten Norden gemacht. Weil nachhaltige Weihnachtsbäume das Fest einfach schöner machen. Die Ergebnisse ihrer Recherche veröffentlichen sie der beigefügten, übersichtlichen Tabelle.

Qualitäts-Siegel hinterfragen

Als Öko-Weihnachtsbaum gilt ein Baum, wenn er nach Kriterien des ökologischen Landbaus (etwa Bioland, Naturland oder BIO) oder Waldbaus (Naturland und FSC (Forest Stewardship Council)) aufgezogen wurde. Das internationale FSC-Gütezeichen steht für Waldnutzung, die umweltgerecht, sozial verträglich und wirtschaftlich tragfähig ist – wie bei vielen der Öko-Label gibt es aber auch hier Ausnahmen von der Regel, weshalb man Öko-Siegel immer beim individuellen Produkttyp hinterfragen sollte. Bäume aus Betrieben, die dem Bund Ökologischer Lebensmittelwirtschaft angeschlossen sind, gelten als anerkannt ökologisch angebaute Weihnachtsbäume, wie etwa Demeter und Biokreis. Das Label Fair Tree hingegen ist das Zeichen einer dänischen Initiative, die sich für die Verbesserung der sozialen Arbeits- und Lebensbedingungen der Zapfenpflücker einsetzt. Die Samen tragen zwar das EU-Bio-Siegel, die Bäume sind aber nicht per se ökologisch angebaute Weihnachtsbäume. Auch das von Waldbesitzerorganisationen und Forstindustrie entwickelte PEFC-Forstlabel (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) ist ein ökologisches Zertifikat – jedoch lässt das laut Robin Wood speziell für Weihnachtsbaumkulturen auf Waldflächen entwickelte Label den Einsatz von Pestiziden und Dünger in Ausnahmefällen zu.

„Ich finde es viel festlicher, wenn ich weiß, dass mein Weihnachtsbaum ohne Chemie-Spritze großgezogen wurde. Dann erfreue ich mich nicht nur am festlich geschmückten Baum, sondern auch an dem Wissen, dass dafür keine Pestizide und Mineraldünger in die Umwelt gelangt sind“, so Hanna Eickholt, die ihr Freiwilliges Jahr in der Landesgeschäftsstelle des BUND macht. Sie hofft, dass immer mehr Verbraucher*innen sich darüber Gedanken machen, wo ihr Baum herkommt und nicht nur, wie grade er gewachsen ist.

Nachhaltig pflegen

Wer seinen ökologischen Weihnachtsbaum im Topf kauft, um ihn hinterher auszupflanzen, kann den Kauf noch nachhaltiger gestalten. Je kleiner und damit jünger der Nadelbaum ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Auspflanzen erfolgreich ist. Zudem sollte der Wurzelballen gesund und unbeschädigt sein (im besten Fall wurde der Baum bereits im Topf ausgesät) und der Baum noch keine Nadeln verlieren. Rotfichte, Kiefer und Douglasie lassen sich gut einpflanzen, Nordmanntannen überleben das Auspflanzen in der Regel nicht, weil ihr Pfahlwurzel beim Eintopfen meist schwer beschädigt wird. Die meisten Nadelbäume sind Flachwurzler: Ihr Wurzelwerk reicht nicht tief, aber weitflächig in die umgebende Erde. Das Ausgraben und Eintopfen kappt daher oft die lebenswichtigen Wurzeln.

Bei getopften wie geschlagenen Christbäumen ist das kühle Lagern bis zum Aufstellen ein wichtiger Pflege-Tipp – danach sollte der Baum auch in der Wohnung täglich frisches Wasser bekommen. Viele Tannenbaumständer haben inzwischen ein integriertes Wasserreservoir, welches den Baum längere Zeit mit Wasser versorgen kann.

Alternativ kann man sich übrigens auch einen in nördlichen Gefilden typischen Julböögs ins Wohnzimmer stellen: Ein schlichtes, halbrundes Holzgestell, welches mit Efeu oder Buchsbaum umwickelt und mit meist naturnaher Deko wie kleinen Äpfeln, Trockenobst-Ketten und Gebäckfiguren geschmückt wird.

Tabelle der nachhaltigen Weihnachtsbäum-Verkaufsstellen in Schleswig-Holstein 2021

Kontakt für weitere Informationen
Ole Eggers
BUND-Landesgeschäftsführer
Tel. 0178 635 07 19
Mail: ole.eggers(at)bund-sh.de

Pressekontakt
Martina Gremler
Tel. 0179 2630518
Mail: martina.gremler(at)bund-sh.de

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