Olympia in Kiel nur mit Naturschutz und ohne Flächenverbrauch

26. September 2026 | Flächenverbrauch, Landespolitik, Meere, Nachhaltigkeit, Ressourcen & Technik, Stadtnatur

++ BUND fordert, für Olympisches Dorf Parkplätze statt Feuchtwiese zu überbauen ++ Soziales und klimafreundliches Mobilitätskonzept mit günstigem Olympia-Ticket, Stadtbahn und zweiter Bahntrasse nach Hamburg ++ Recyclingfähiges Merchandise und biozidfreie Schiffspflege ++

Kiel. An diesem Wochenende könnte München zur möglichen Olympia-Stadt 2036 gekürt werden. Kiel ginge dann als Austragungsort für die Segelwettbewerbe ins Rennen. Falls es so kommt, habe Kiel die Chance, neue Maßstäbe für Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit von olympischen Spielen zu setzen, meint der BUND SH. „Olympia geht auch ohne Flächenverbrauch. Kiel muss es nur wollen und die Mobilitätswende gleich mitdenken. Das Olympische Dorf kann auf den jetzt schon teilversiegelten Parkplatzflächen in Schilksee entstehen, und die wertvollen Feuchtwiesen können erhalten bleiben“, sagt Ulrike Hunold von der BUND-Kreisgruppe Kiel. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein e. V. (BUND SH) fordert zudem wirksamen Biotop- und Artenschutz auf den betroffenen Wasser- und Landflächen, den Verzicht auf den Neubau von Bootshallen und die Nachnutzung des olympischen Dorfes für Mietwohnungen.

„Selbst während der internationalen Großveranstaltung Kieler Woche werden keine zusätzlichen Bootshallen gebraucht. Daher sollten auch für die Olympischen Spiele, wo ähnlich viele, tendenziell sogar kleinere Boote erwartet werden, keine neuen Hallen gebaut werden“, erklärt Ulrike Hunold.

Der Bau des Olympischen Dorfes sollte ausschließlich auf bereits versiegeltem Untergrund erfolgen und mit folgender Nachnutzung für Mietwohnungen konzipiert werden. Zurzeit ist eine Feuchtwiese in Schilksee als Baugrund vorgesehen. Der BUND schlägt vor, stattdessen die Parkplatz-Flächen in direkter Nachbarschaft zur Feuchtwiese zu überbauen. Die Feuchtwiese muss aus Arten- und Habitatschutzgründen erhalten werden. Aufgrund von Hochwasserschutzbestimmungen und sumpfigem Untergrund wäre an dieser Stelle eine Tiefgründung erforderlich – mit entsprechend folgenschwerem Eingriff in die wertvolle Bodenstruktur. 

Das Olympische Dorf sollte, den städtischen Standards entsprechend, mit Solaranlagen und/ oder Dachbegrünung ausgestattet sein. Die Bauweise sollte nachhaltig mit möglichst geringem CO2-Ausstoß erfolgen. Eine CO2-neutrale Energieversorgung muss als Gesamtkonzept für Schilksee entwickelt werden.

Der BUND setzt sich außerdem dafür ein, Olympia als Anlass für ein CO2-neutrales und soziales Mobilitätskonzept zu begreifen. „Meine Vision von Olympia in Kiel hat eine Stadtbahnverbindung mit guter Taktung, die motorisierten Individualverkehr überflüssig macht. Dazu ein für alle erschwingliches Olympiaticket und eine verlässliche Bahnverbindung nach Süden, indem die Verbindung über Kaltenkirchen nach Hamburg aktiviert wird“, so Hunold.

Ein nachhaltiges Olympia der Zukunft in Kiel schließt wiederverwertbare beziehungsweise recyclingfähige Merchandise-Produkte, regionale Lebensmittelversorgung und ein Zero-Waste-Konzept ein.

Die BUND-Meeresschutz-Expertin Verena Platt-Till ergänzt: „Für die Schiffspflege und den Bewuchsschutz aller teilnehmenden Boote, also auch der Begleitboote, sollten verpflichtend biozidfreie Produkte verwendet werden. Und damit wir uns auch nach Olympia noch an Schweinswalen und Fischen in der Kieler Förde erfreuen können, brauchen wir schon vorher ein Konzept zum Schutz und zur Aufwertung der Ostsee-Biotope, die besonders durch den Wassersport und die Logistik betroffen sind.“


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