Bremen/ Kiel. Müll, Nährstoffe und Umweltgifte verschärfen die Belastung von Nord- und Ostsee. Die Staaten der Europäischen Union hatten sich bereits im Jahr 2008 auf eine Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) geeinigt, um wieder einen guten Umweltzustand ihrer Meere zu erreichen – eigentlich bis 2020. Im Zuge der Aktualisierung des MSRL-Maßnahmenprogramms wird derzeit eine strategische Umweltprüfung durchgeführt. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein e. V. (BUND SH) fordert, dabei die zunehmenden Belastungen der Meere und ihre Wechselwirkungen für einen wirkungsvollen Meeresschutz umfassend zu berücksichtigen.
„Beim Schutz von Nord- und Ostsee sind wir noch längst nicht am Ziel. Viele Belastungen wirken gleichzeitig auf die Meeresökosysteme. Deshalb muss die Umweltprüfung das Zusammenspiel von Fischerei, Schifffahrt, Offshore-Nutzung, Schadstoffen und Unterwasserschall untersuchen, statt nur die Faktoren einzeln zu betrachten“, sagt Verena Platt-Till, Meeresschutzreferentin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Schleswig-Holstein e. V. (BUND SH).
Auch die Auswirkungen des Klimawandels werden nach Ansicht des BUND nicht ausreichend untersucht. Steigende Wassertemperaturen, veränderte Schichtungs- und Strömungsverhältnisse sowie Sauerstoffmangel verändern die Lebensbedingungen im Meer und können bestehende Belastungen weiter verschärfen. „Der Klimawandel verändert die Bedingungen in Nord- und Ostsee grundlegend. Diese Veränderungen müssen systematisch bei der Umweltprüfung in die Bewertung der Maßnahmen einfließen“, betont Joachim Schulz vom BUND SH.
Für Zugvögel und Vögel, die auf offener See leben, müssen in Nord- und Ostsee Wanderkorridore und Rastgebiete frei gehalten werden. Auch dazu, so der BUND SH, wird zu wenig untersucht, ob neue Offshore-Windparks und die Ausweitung militärischer Übungsbereiche Barrieren, Kollisionsrisiken sowie Stör- und Verdrängungswirkungen zur Folge haben.
Bei den regelmäßigen Untersuchungen, also dem Monitoring, gibt es nach Ansicht des BUND noch Daten- und Kenntnislücken. „Wenn wir einen guten Umweltzustand der Meere erreichen möchten, brauchen wir eine belastbare Datengrundlage. Die Ergebnisse der Untersuchungen müssen dann auch konsequent in die weitere Umsetzung und Aktualisierung des Maßnahmenprogramms der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie einfließen“, sagt Bettina Taylor, Leiterin des BUND-Meeresschutzbüros in Bremen. „Weitere Kürzungen beim Meeresmonitoring wären angesichts des schlechten Zustands unserer Meere und der wachsenden Nutzungsansprüche nicht vertretbar.“
Der BUND drängt daher darauf, den Untersuchungsrahmen zu überarbeiten und die genannten Anforderungen verbindlich im Umweltbericht zu berücksichtigen. Die Ergebnisse der Umweltprüfung müssen in die Weiterentwicklung des Maßnahmenprogramms einfließen. Ein umfassendes Monitoring muss zudem sicherstellen, dass die Wirksamkeit der umgesetzten Schutzmaßnahmen überprüft werden kann. Deutschland muss diese Chance jetzt konsequent nutzen, um den Schutz von Nord- und Ostsee entscheidend zu verbessern.
Hier finden Sie die BUND-Stellungnahme zum Prüfrahmen der MSRL.
Kontakt für weitere Informationen
Verena Platt-Till
Meeresschutz-Referentin BUND SH
0152 29015049
verena.platt-till@bund-sh.de
Pressekontakt
Sina Clorius
0179 2630518
sina.clorius(at)bund-sh.de