BUND-Landesverband Schleswig-Holstein e.V.

Tourismus und Flächenverbrauch

Ferienhäuser mit großer Grundfläche und ausgedehnten Parkmöglichkeiten beanspruchen pro Einheit/Bett deutlich mehr Fläche als Ferienwohnungen in Städten.  (Foto: Merlin Michaelis, BUND SH)

Die Anzahl touristischer Übernachtungen in Schleswig-Holstein kann in den letzten zehn Jahren einen Zuwachs von fast 50 Prozent verzeichnen. Zu den touristisch am intensivsten genutzten Kreisen zählen Flensburg, Ostholstein und Lübeck. Mit einem Anteil von fast 8 Prozent an der gesamtwirtschaftlichen Leistung Schleswig-Holsteins zählt der Tourismussektor zu den bedeutendsten Wirtschaftssektoren des Bundeslandes. Dennoch trägt auch die Tourismusbranche einen Teil zum Flächenverbrauch durch Gewerbestrukturen bei – besonders aufgrund einer geringen Bettenauslastung. Im Jahr 2019 betrug diese zwischen 33 und 37 Prozent.

Unterschieden werden kann der Flächenverbrauch durch Tourismus und Erholungszwecke in einen offensichtlichen – direkten – und in einen auf den ersten Blick unsichtbaren – indirekten – Flächenverbrauch. Flughäfen, Straßen, Unterkünfte, Freizeitattraktionen oder Parkplätze erkennt man direkt als „verbrauchte“ Flächen.  Lebensmittelproduktion, Abfalldeponien, Abwasserwerke, Industrie für Ausstattung – alles Beispiele für indirekten Flächenverbrauch – zählt man oft nicht bewusst dazu. Dabei ist gerade der unbemerkte Anteil, jener Anteil, der mehr Fläche in Anspruch nimmt.

Je nach Unterbringungsart wird pro Übernachtungsmöglichkeit eine unterschiedlich große Fläche in Anspruch genommen.  Gäste- oder Hotelzimmer beanspruchen mit 20m2 bis 40m2 pro Übernachtungsmöglichkeit deutlich weniger Grundfläche als z.B. Ferienhäuser mit bis zu 200m2 benötigter Fläche. Wie viel Fläche in Schleswig-Holstein genau durch den Tourismus belegt wird, ist jedoch nicht bekannt: „In der Statistik werden spezielle Nutzungsarten – wie eine Gebäudenutzung für touristische Zwecke – nicht bei der Erfassung der Siedlungs- und Verkehrsfläche erhoben.“ (Ministerium für Inneres, ländliche Räume, Integration und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein (MILIG)). Nach Auskunft des MILIG werden zusätzlich vor allem die Gemeinden in der Verantwortung gesehen die Flächeninanspruchnahme durch Tourismus zu beobachten: „[…] bei der Anwendung des wohnbaulichen Entwicklungsrahmens verlassen wir uns auf Einschätzungen der Gemeinde […]“.

"Individual-Tourismus" an der Schleimündung  (Foto: Merlin Michaelis, BUND SH)

Besonders flächenintensiv ist die Kategorie der Parahotellerie – Ferien- und Zweitwohnungen –, da diese meist in Vorzugslagen gebaut werden. Auf den Inseln des Schleswig-Holsteinischen Wattenmeeres wurden schon zur Jahrtausendwende rund 50 % der Häuser und Wohnungen für touristische Beherbergungen genutzt. Dies führt neben großen Anteilen versiegelter Fläche zu erhöhten Immobilienpreisen und oft zur Verdrängung der heimischen Bevölkerung. Zwischen 2018 und 2020 stieg der ohnehin hohe Quadratmeterpreis auf den Inseln um bis zu 50 Prozent - trotzdem bleibt die Nachfrage hoch.

Durch den Bau von touristischen Infrastruktureinrichtungen in landschaftlich ansprechenden und ökologisch sensiblen Gebieten, kann selbst ein geringer Flächenverbrauch gravierende negative Auswirkungen haben. Eine intakte Umwelt ist gerade in Schleswig-Holstein DER entscheidende Standortfaktor für den Tourismus, da sie eine Grundlage für touristische Leistungen darstellt. Die Nachfrage nach naturnahen Urlaubs- und Freizeitmöglichkeiten wird in Zukunft nur noch zunehmen. Fast 80 Prozent der Tourist*innen in Schleswig-Holstein wollen Natur erleben (Tourismus Verband Schleswig-Holstein, Reiseanalyse 2019).

Entsprechend hat der Erhalt der Naturlandschaft auch für die Tourismusbranche eine besondere Bedeutung.

Immer mehr Menschen erfreuen sich an den Naturschutzgebieten in SH. Umso wichtiger ist es, den Tourismus in diesen Gebieten nachhaltig zu gestalten.  (Foto: Mario Ohibsky)

Eine Möglichkeit Tourismus umweltverträglicher – sanfter – zu gestalten, ist das Konzept des Nachhaltigen Tourismus. Dabei werden die Aktivitäten in einem Urlaubsgebiet nach der Tragekapazität der Natur ausgerichtet, sodass die Nutzung aller Ressourcen möglichst sparsam ist. Auch die Kultur und das alltägliche Leben der Einheimischen soll berücksichtigt und Tourist*innen für die Situation in der Region sensibilisiert werden. Die Nutzung bereits bestehender Gebäude, sowie Verzicht auf weiteren Neubau sollen zu einer Flächenschonung beitragen. Langfristige negative Folgeerscheinungen, hervorgerufen durch Tourismus, können durch Raumordnungs- und Regionalplanung abgemildert oder ausgeglichen werden, beispielsweise durch Ausweisung von Ruhezonen oder der Schaffung von National- und Naturparks. Aber auch Anbieter und Touristen können durch ihr Verhalten einen positiven Beitrag leisten.

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